Er gilt als einer der bedeutendsten Philosophen unserer Zeit: Alain Finkielkraut, Sohn eines polnisch-jüdischen Lederwarenhändlers, der das KZ Auschwitz überlebte. Finkielkraut ist Mitglied der Académie française, einer französischen Gelehrtengesellschaft mit Sitz in Paris. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung spricht der Philosoph über das Urteil gegen Marine Le Pen und die neue Moral in Frankreich.
NIUS dokumentiert wichtige Gedanken:
„Das erstinstanzliche Urteil ist skandalös. Vier Jahre Haft, davon zwei auf Bewährung, eine Geldstrafe und fünf Jahre Aberkennung der Wählbarkeit, mit sofortiger Vollstreckung. Das bedeutet, es gibt keine Unschuldsvermutung mehr. Zudem hat das Gericht erklärt, es bestehe Wiederholungsgefahr – weil sich Frau Le Pen verteidigt hat und nicht auf schuldig plädiert hat. Als ich die Urteilsbegründung las, kamen mir zwei Adjektive in den Sinn: orwellianisch und kafkaesk. Hier wurde ihre Verteidigung als erschwerender Umstand gewertet – und das ist ungeheuerlich. Sie verteidigt sich, so gut sie kann, das ist ihr gutes Recht. Es geht ausdrücklich darum, Le Pens politische Karriere zu zerstören.“
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