Wer in dieser Nacht dabei war, wird sie nicht vergessen. Der 31. Dezember 1989 in Berlin war etwas Großes. Knapp zwei Monate vorher war die Mauer gefallen, und mit ihr gleich die ganze DDR. Jetzt feierten Ossis und Wessis gemeinsam die Ankunft des neuen Jahres – und einer neuen Zeit. Jedenfalls hoffte man das damals.
Nach gut 28 Jahren wurde das schändlichste Bauwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte zum Ort einer gigantischen Silvesterfeier. Die Polizei schätzte, dass eine Million Menschen zur Mauer am Brandenburger Tor pilgerten. Die Leute kamen ohne Einladung, aus eigenem Antrieb. Niemand hatte die Party organisiert, streng genommen erfüllte sie sogar den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit.
Egal. Das Volk, das damals noch nicht Zivilgesellschaft hieß, wollte spontan feiern. Also wurde gefeiert. Die beiden Staaten, die es damals formal noch auf beiden Seiten der Mauer gab, durften bestenfalls zuschauen. Stören durften sie nicht, und gebraucht wurden sie schon gar nicht.
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