Der größte Feind der Grünen ist das Archiv. Es dokumentiert, wie sehr sie sich aufregen können, wenn jemand die „Brandmauer“ durchbricht. Etwa, indem er im Europaparlament mit den Rechten stimmt. Dann ist das mindestens ein „Dammbruch in Brüssel“. Die Schuldigen seien „Mehrheiten mit den Radikalen“ eingegangen. Und für die Grünen steht dann fest: „Das dürfen wir denen nicht durchgehen lassen. Das müssen wir erzählen.“ So äußerte sich die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner, als im November die Christdemokraten mit den Rechten das Lieferkettengesetz in seiner bürokratischen Wucht minderten.
Nun haben die Grünen mit den Rechten abgestimmt. Um das Freihandelsabkommen „Mercosur“ entscheidend zu bremsen, wofür es denn auch im Europaparlament eine knappe Mehrheit gab. Das wird der Grünen-Vorstand doch seinen Abgeordneten kaum durchgehen lassen. Da gilt doch sicher auch: „Das müssen wir erzählen.“ Brantner überlässt es dieses Mal dem anderen Vorsitzenden der Grünen, die Schelte auszusprechen. Felix Banaszak. Das passt. Der lässt sich gerne mal als der „Schimanski“ der Politik inszenieren. Im Deutschlandfunk haut Banaszak einen raus. Er sei mit der Abstimmung seiner Parteifreunde „nicht happy“. Huiuiuiuiuiuiui. Wenn das mal nicht für Tränen in der Grünen Europafraktion sorgt.
Die Bigotterie der Grünen fällt nicht zum ersten Mal auf. Aber dieses Mal outen sich die Grünen zum für sie denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Am 8. März, in sieben Wochen, endet die für sie wichtigste Wahl dieses Wahlzyklus – die Landtagswahl in Baden-Württemberg. In Stuttgart steht die einzige Staatskanzlei, die ein grüner Ministerpräsident hält. Der tritt nicht mehr an. Cem Özdemir will auf seinen Parteifreund Winfried Kretschmann nachfolgen. Die „Brandmauer“ spielt in diesem Wahlkampf eine entscheidende Rolle.
DEUTSCHLAND: Reformpaket „wird nicht funktionieren“ – Vorhaben löst Sturm der Entrüstung aus | LIVE











