Wer nur Kassen zählt, übersieht den eigentlichen Hebel: Risiken, Prozesse, IT, Daten – und die verdeckten Systemkosten. Denn der verheimlichte Verwaltungsaufwand ist doppelt so hoch wie angegeben. Darin liegt der eigentlich Reformbedarf. Die geplanten Einsparungen in der Prophylaxe dagegen treiben künftig die Kosten noch weiter an. Damit wird an der falschen stelle gespart, statt die wirklichen Reserven zu heben.
Die Bundesregierung hat eine Gesundheitsreform beschlossen, die nun im Bundestag diskutiert werden muss. Offiziell geht es um Beitragssatzstabilisierung und Ausgabendämpfung. Das ist nötig, aber zu klein gedacht. Der Entwurf operiert an Symptomen. Er stellt nicht die industrielle Kernfrage: Warum wird ein weitgehend standardisiertes System weiterhin so kleinteilig verwaltet?
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat die Reduktion auf zehn bis zwanzig Kassen ins Spiel gebracht. Als Filter steht eine Mindestgröße von mehr als einer Million Versicherten im Raum. Das klingt entschlossen. Es bleibt aber eine halbe Reform. Zehn große Kassen mit derselben bunten Risikomischung sind am Ende nur zehn große Gemischtwarenläden.
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