Der Fall des 18-jährigen Henry Nowak verdeutlicht wie kaum ein anderer die völlige Realitätsferne des Kampfes gegen „Hatespeech“ – gegenübergestellt einer staatlichen Ohnmacht im Angesicht tatsächlicher Gewaltverbrechen. Mit einem rituellen Sikh-Messer niedergestochen, blutend, traf Nowak im englischen Southampton auf mehrere Polizisten – statt ihm zu helfen, verhafteten sie den Studenten, nachdem sein Angreifer ihm Rassismus vorgeworfen hatte.
In Handschellen auf der Straße fiel er in die Bewusstlosigkeit und verblutete noch an Ort und Stelle. „Einfach ausgedrückt: Henry ertrank in seinem eigenen Blut, nachdem seine Lunge durch das Messer verletzt worden war, das acht Zentimeter tief in ihn eingedrungen war“, wird es später ein britischer Staatsanwalt formulieren. Die Polizisten kommen ihm erst zur Hilfe, als es längst zu spät ist. Ihr erster Gedanke war, ihn wegen eines vermeintlichen Hassverbrechens festzunehmen: Henry habe betrunken seinen Sikh-Angreifer, Vikrum Digwa, rassistisch angegangen; wegen dieses Vorwurfs des Täters ließ man ihn verbluten.
Der Student kam zum Tatzeitpunkt um 23 Uhr von einer Feier zurück und hatte „weniger Alkohol konsumiert als die gesetzliche Grenze für das Autofahren“, wie die Behörden später erklären. Auch für eine rassistische Äußerung gebe es keinerlei Beweise. Nachdem Digwa ihn mit einem 20 Zentimeter langen „Shastar“-Sikh-Messer attackiert hatte – in England gibt es inzwischen eigentlich strenge Messerverbote, aber religiöse Ausnahmen speziell für traditionelle Sikh-Messer –, floh Nowak über einen Zaun. Digwa „verfolgte ihn aber aggressiv“, wie es die Behörden beschreiben. Er hinterließ eine Blutspur. Später fand man Nowaks Handy bei Digwa – er hatte ihn offensichtlich auch noch beraubt.
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