Lebensfreude durch Auflehnung – was Deutsche von Israelis lernen können

vor 3 Monaten

Lebensfreude durch Auflehnung – was Deutsche von Israelis lernen können
Bildquelle: Apollo News

Eine Begegnung beschäftigt mich seit Tagen. Ich befinde mich gerade auf einer Insel in Thailand, und unverhoffterweise ist es hier wie in einer israelischen Exklave. Wo man auch hinkommt und hinsieht, ist alles voller junger Israelis. Sie quatschen, spielen Ball, bandeln an. Immer in Gruppen und immer mit einer Energie, die gerade für ja gern mal etwas verkopfte Deutsche ansteckend ist. Abends treffen sie sich auf einem Marktplatz, der schon von einigen ironisch als „Little Tel Aviv“ bezeichnet wird. Ganz selbstverständlich wurden meine Freundin und ich dort auf Hebräisch angesprochen. Als ich lächelnd auf Englisch antwortete, dass ich leider nichts verstehe, blickte ich in ein ziemlich verwundertes Gesicht. Später kam ich mit zwei Israelis Anfang 20 ins Gespräch.

Sie sind hier gestrandet, wie alle anderen Israelis, erzählt sie. Flüge zurück nach Israel gibt es wegen des Irankriegs seit Wochen nicht. Keiner weiß, wann es möglich ist, wieder nach Hause zur Familie zu kommen. Die junge Frau, mit der ich mich unterhalte, lächelt mich immerzu an. Es ist ein sehr herzliches Lächeln, etwas nervös ist sie auch. Sie erzählt mir, dass sie täglich mit ihrer Familie facetimed. Sie sind ständig im Bunker, das ist für alle inzwischen ganz normal. Sie spricht nicht aus, dass sie gern bei ihnen wäre, aber ich sehe es ihr an.

Eigentlich wollte sie nur ein paar Monate durch Thailand reisen, wie es viele junge Israelis nach ihrer Militärzeit mit Anfang 20 machen. Jetzt kann sie nicht mehr zurück. Sie erzählt mir von ihrem Bruder, der eine leitende Position im Militär hat. Nervös blickt sie zu dem jungen Mann, der neben ihr sitzt und mit dem sie offenbar den Abend verbringt. Sie tauschen ein paar Worte auf Hebräisch aus. Dann blickt sie mich wieder an. Sie macht sich Vorwürfe, sagt sie. Dass sie nicht versucht hat, ihn zu überreden, nicht im Krieg zu kämpfen, sich rauszuhalten. Sie lächelt wieder; sie wirkt, als wisse sie, dass sie ihren Bruder nicht hätte überzeugen können. Dennoch grämt es sie. Dass sie Angst hat, wird an diesem Tisch nicht ausgesprochen. Die Angst sitzt hinter ihrem Lächeln.

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