Merz trifft Syriens Machthaber: Ein Gespräch mit ehemaligen Terroristen offenbart ein moralisches Dilemma

vor 6 Monaten

Merz trifft Syriens Machthaber: Ein Gespräch mit ehemaligen Terroristen offenbart ein moralisches Dilemma
Bildquelle: NiUS

Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt am kommenden Montag Syriens Machthaber al-Scharaa. Das offenbart ein moralisches Dilemma der deutschen Außenpolitik: Wenn ein Dialog selbst mit Dschihadisten möglich ist, mit wem darf man dann nicht reden?

Ahmed al-Scharaas terroristische Vergangenheit ist verbrieft. Unter dem Kampfnamen Abu Mohammad al-Jolani trat er 2003 Al-Qaida bei, um gegen US-Truppen im Irak zu kämpfen. Der Anführer des Islamischen Staates (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, entsandte al-Jolani 2011 nach Syrien, um dort, wo inzwischen Bürgerkrieg herrschte, einen IS-Ableger aufzubauen: die Nusra-Front.

Die Vereinigten Staaten stuften die neue Gruppe als terroristische Organisation ein und setzten eine Belohnung von 10 Millionen Dollar auf al-Jolani aus. Der widersetzte sich derweil al-Baghdadis Aufruf, die Nusra-Front aufzulösen und sie mit der Al-Qaida-Organisation im Irak zu fusionieren, um den Islamischen Staat im Irak und in Syrien (ISIS) zu gründen. Al-Golani schwor dennoch Al-Qaida die Treue, die sich später von ISIS distanzierte. Die Nusra-Front kämpfte gegen ISIS und schaltete einen Großteil ihrer Konkurrenz unter den bewaffneten syrischen Oppositionellen gegen Assad aus.

Die Ergreifung von al-Jolani/al-Scharaa war den Amerikanern 10 Millionen Dollar wert.

In seinem ersten Interview mit dem katarischen Sender al-Jazeera sagte al-Jolani, sein Ziel sei es, Syrien unter islamischem Recht regiert zu sehen, und machte deutlich, dass es keinen Platz für die alawitischen, schiitischen, drusischen und christlichen Minderheiten des Landes gebe. Vor diesem Hintergrund können die Berichte über Massaker an Minderheiten seit al-Jolanis Machtübernahme im Dezember 2024 nicht überraschen.

Zehntausende von Alawiten wurden, ebenso wie 5.000 Drusen, von der neuen Regierung nahestehenden Milizen ermordet. Zuletzt wurde die kurdische Bevölkerung in Aleppo angegriffen. Die ethnischen und religiösen Minderheiten sehen unter al-Jolani, der sich nun wieder Ahmed al-Scharaa nennt, keine Zukunft in Syrien.

Offiziell gibt sich al-Scharaa neuerdings konziliant. Dass er islamistische Rivalen ausschaltete, verkaufte er im Westen als anti-dschihadistisches Vorgehen, was ihm die Türen zu den Machtzentralen dieser Welt öffnete. Sogar US-Präsident Donald Trump empfing ihn unlängst im Weißen Haus und nannte ihn einen „harten Typen“. Al-Scharaa durfte auch als erster Regierungschef Syriens seit Jahrzehnten vor den Vereinten Nationen sprechen.

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