Der Völkermord an den Armeniern: Kontinuität des Vernichtungswillens

vor 2 Monaten

Der Völkermord an den Armeniern: Kontinuität des Vernichtungswillens
Bildquelle: Tichys Einblick

Ein Völkermord an Christen eröffnete 1915 den blutigen Reigen der Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts: Nicht nur Armenier, auch Griechen, syrische, assyrische und aramäische Christen wurden Opfer der systematischen Vernichtung, der die Osmanen die christliche Bevölkerung in ihrem Herrschaftsgebiet unterwarfen.

Innerhalb von nicht einmal drei Jahren fiel über eine Million Armenier diesem Verbrechen zum Opfer: massakriert, deportiert und auf Todesmärschen dem Hungertod preisgegeben. Und doch erregt dieses Verbrechen vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit, insbesondere gemessen an seiner Bedeutung und seinen Auswirkungen bis zum heutigen Tag.

Die Gründe dafür benannte John Eibner, Präsident der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International, in einer bemerkenswerten Ansprache. Am 25. April, einen Tag nach dem offiziellen Gedenktag des Genozids, hatten der Zentralrat der Armenier in Deutschland und die Armenische Kirche zur zentralen Gedenkfeier zum 111. Jahrestag des Völkermords in die Frankfurter Paulskirche geladen.

Eibner machte in seiner Rede deutlich, dass die ideologische Grundlage dieses Genozids bereits vor 1915 ihren Ausdruck in Massakern und Pogromen fand, und zugleich bis heute fortwirkt: Eine Geisteshaltung, die „althergebrachten muslimischen Suprematismus osmanischer Prägung mit einem modernen pan-türkischen Ultranationalismus“ verbindet. Die Ermordung der Christen „geschah in einem osmanisch-türkischen Kalifat, das offiziell einen Dschihad ausgerufen hatte“, so Eibner.

Dabei handelte es sich nicht nur um die Vernichtung von Menschenleben, sondern auch um die Auslöschung von Kultur und Identität: Kinder wurden entführt, Christinnen zur „Konversion“ gezwungen und mit Muslimen zwangsverheiratet. Deren Nachkommen, so Eibner, lebten heute in der Türkei, oft in Unkenntnis ihrer Herkunft.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel