Will die CDU wirklich, dass alle AfD wählen?

vor 8 Monaten

Will die CDU wirklich, dass alle AfD wählen?
Bildquelle: Tichys Einblick

Im Leben kommt es ja häufig anders, als man denkt. Diese Erfahrung muss jetzt Friedrich Merz machen, vergleichsweise spät in den Wochen vor seinem 70. Geburtstag. Bekanntlich wollte er durch kluges regieren die AfD „halbieren“. Bis jetzt hat er sie durch dummes Herumgerede verdoppelt. Statt seinen erkennbar falschen Kurs zu korrigieren, statt ein Wahlversprechen nach dem anderen in die Tat umzusetzen, kassiert er eines ums andere und verdoppelt die Anstrengung für das Falsche.

Seit der jüngsten Klausurtagung hat man das Gefühl, der Kanzler und die seinen sind geradezu außer Rand und Band geraten. Die AfD kann man nur dadurch bekämpfen, dass man Probleme löst, wenigstens die drängendsten: Energienot, Überschuldung, Bürokratisierung, Migrationsfolgen, Kriegsfurcht, Arbeitslosigkeit, um nur einige zu nennen, die Liste wird sonst so lang wie eine falsch aufgehängte Klorolle.

Bislang hat Merz und seine formelle Koalition mit der SPD, mit Unterstützung von Grünen und Linken es nur geschafft, mit Hilfe des bereits abgewählten Bundestags die Schuldenbremse in die Luft zu jagen und den Boden für Inflation zu bereiten.

Aus dem versprochenen „Herbst der Reformen“ wird ein Winter der Katastrophen. Der Regierungsmotor läuft heulend auf Hochtouren – allein, Lärm bewegt Räder im Leerlauf nicht. Dass mit SPD, Grünen und Linken nicht viel mehr zu schaffen ist als Verschuldung, um der Verschuldung willen, um mit noch mehr Schulden die Zinsen für die alten zu finanzieren, wurde hier hinreichend oft analysiert. Das Gemurkse bleibt am AfD-Verdoppler hängen.

Auch wenn Friedrich Merz vielleicht anders wollte: Mit diesen Partnern kann er nicht anders und mit denen, mit denen er vielleicht könnte, will er nicht. So wirkt er immer mehr wie ein etwas groß geratenes Rumpelstilzchen, dass dauernd zornig aufstampft und rasend auf der Stelle tritt. Das ist zwar für politische Beobachter ein amüsantes Schauspiel, aber das Land rasselt immer tiefer in die Multikrisen. Und die sind nicht weltpolitisch bedingt, sondern hausgemacht, wie die Wachstumsraten rund um Deutschland herum beweisen.

Seine Lösung ist, statt die SPD auf Kurs zu zwingen, lieber auf die AfD zu treten, die nun wirklich nichts für den Stillstand kann, den Merz da tosend und rüttelnd und ratternd und zappelnd inszeniert als schauriges Schauspiel der Selbstzerstörung.

Die rhetorischen Ausbrüche gegen die AfD werden lauter und wütender, aber da sie bekanntlich bisher politisch zur Nicht-Regierung verurteilt ist, ändert sich da nichts. Und klar ist, die Bürger nehmen den Widerspruch zwischen Vorwurf und Wirklichkeit wahr. Mit jeder Fabrik und jedem Unternehmen, die schließen, mit jeden Arbeitsplatz, der wegfällt, mit jedem Krankenhaus, das den Betrieb einstellt, mit jedem Euro, der noch herausgepresst wird aus denen, die noch arbeiten und mit jedem neu hinzukommenden Schlingel, der am helllichten Vormittag, am Mittag und am Abend herumlungernd das „Stadtbild“ prägt, Passanten belästigt oder häufig genug mit dem Messer zusticht.

Aber natürlich merken die Wähler sehr wohl, dass die AfD jedenfalls programmatisch die CDU von früher ist und mit ihren Sozialversprechen auch die SPD von gestern mitnimmt. Den Praxistest lässt man ja nicht zu, ob sie macht, was sie schreibt und ob sie in die gesetzten Erwartungen erfüllen kann – oder enttäuscht.

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