23. Oktober 2025, 8:50 Uhr, Berlin. Während draußen die Blätter fallen, klopfen vier bewaffnete Polizeibeamte an die Wohnungstür des Publizisten und WELT-Kommentators Norbert Bolz. Am Abend weiß die gesamte Republik von der Hausdurchsuchung – allseits blankes Entsetzen. NIUS protokolliert den unfassbaren Vorgang sowie seine Vorgeschichte in allen Details.
Es ist ein stiller Herbstmorgen in Berlin-Zehlendorf, die Straßen noch feucht vom nächtlichen Regen. Vor den Häusern schweben Blätter langsam zu Boden. Nichts deutet auf einen außergewöhnlichen Tag hin – bis ein Polizeiwagen am Straßenrand stoppt und Beamte aussteigen, die Waffen am Gürtel. Sie gehen auf ein Haus zu, klingeln und warten. Drinnen steht ein Mann im Morgenlicht – möglicherweise noch im Bademantel. Ein bekannter Publizist, ein intelligenter Kommentator, ein unbescholtener Bürger. Wenig später stapft der Staat in sein Zuhause. Der Grund: ein Post auf Social Media.
Am 20. Januar 2024 hatte Norbert Bolz getwittert: „Gute Übersetzung von woke: Deutschland erwache!“
Wegen dieses Tweets brummte Richter Doktor Fricke Norbert Bolz eine Hausdurchsuchung auf. NIUS berichtete den unglaublichen Vorgang zuerst
Der Tweet war eine Replik auf einen Beitrag der „taz“, die ihren Artikel folgendermaßen angekündigt hatte: „AfD-Verbot und Höcke-Petition: Deutschland erwacht“.
Die linke Taz wird Donnerstagabend schreiben: „Die taz wundert sich über das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, hält eine Hausdurchsuchung wegen eines solchen Tweets für unverhältnismäßig und fragt sich, warum die Staatsanwaltschaft nicht schon 1998 bei der taz geklingelt hat, als wir titelten 'Deutschland, erwache!'“
1998 kam niemand auf die Idee, diese Überschrift als NS-Parole zu verfolgen.
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