Donald Trump trat als Friedenspräsident an. „Keine endlosen Kriege mehr“ war sein Credo, „Amerika zuerst“ sein Versprechen. Im März 2026 droht ihm nun das Vermächtnis eines Falken, also eines aggressiven Außenpolitikers, der andere Länder angreift. Die Luftschläge auf den Iran, am vergangenen Samstagmorgen begonnen, dauern an, Flugzeugträger bleiben in der Region, und Teheran antwortet mit Gegenschlägen auf Golfstaaten. Die Vorgänge im 92-Millionen-Einwohner-Land waren der Grund, weshalb Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, am Dienstag bei RTL mit ungewöhnlicher Schärfe formulierte: „Donald Trump ist als Friedenspräsident gestartet – am Ende wird er als Kriegspräsident enden.“
Der Satz hallte wie ein Paukenschlag durch das rechte Lager und soziale Medien und zeigte einen schwelenden Konflikt auf: Genau jene AfD, die sich jahrelang als deutsche Variante von „Make America Great Again“ feierte, mit Trump-Fahnen auf Wahlkampfveranstaltungen posierte und enge Kontakte in die USA pflegt, steht plötzlich vor einem Dilemma: Wie hält man an der transatlantischen Rhetorik fest, wenn der große Bruder im Weißen Haus genau das tut, was man als neokonservativen Wahnsinn geißelt?
Der Streit eskalierte dabei schon am Samstag und demonstrierte, wie sehr die Partei in zwei Lager gespalten ist. Alice Weidel und Tino Chrupalla ließen in einem gemeinsamen Statement mitteilen: „Mit großer Sorge haben wir die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zur Kenntnis genommen. Wir fordern alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf. Die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur müssen geschützt bleiben. Das Völkerrecht sowie das humanitäre Völkerrecht müssen uneingeschränkt eingehalten werden. Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.“ Im Statement fehlte jede Verurteilung des Mullah-Regimes, auch nur eine Nennung von Islamismus. Es gab keine explizite Solidarität mit Israel oder den USA. Stattdessen: Äquidistanz, die Betonung deutscher Interessen und ein nebulöser Verweis auf das Völkerrecht (das im Fall des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eher selten ins Feld geführt wird).
Unter der rechten und liberalkonservativen Kommentatorenschaft führte das rasch zu Reaktionen. Die Publizistin Anabel Schunke warf der Führung vor, sich „hinter jedes Verbrecherregime von Putin bis zu den Mullahs im Iran“ zu stellen: „Eine Partei, die außenpolitisch so auf dem Holzweg ist, ist nicht koalitionsfähig.“ Jan Fleischhauer, konservativer Kolumnist und Bestseller-Autor, spitzte ironisch zu und verbreitete ein Bild, das Weidel und Chrupalla neben Annalena Baerbock zeigt, mit dem Kommentar: „Die AfD im Deutschen Bundestag schließt sich vollinhaltlich der Erklärung der Präsidentin der UN-Generalversammlung Dr. Annalena Baerbock an. Eine Dankbotschaft an die unermüdliche Botschafterin des Friedens ist in Vorbereitung.“ Die Hufeisentheorie war wieder in aller Munde. Auch ehemalige Parteimitglieder wie Frauke Petry und Joana Coatar, die sich heute als Libertäre im „Team Freiheit“ betätigen, stimmten ein in die Kritik.
Auch die neuen Medien, die die AfD nicht selten vor Vorwürfen des Mainstreams in Schutz nehmen, stimmten in die Kritik ein. Julian Reichelt, Chefredakteur von NIUS, schrieb etwa, die AfD klinge plötzlich „wie die kleine Annalena auf dem Kirchentag“, getrieben vom gescheiterten Sprach- und Gedankenmief aus Friedensbewegung, frühen Pazifisten-Grünen, Kirchentag, DDR-Anti-Imperialismus und SED/Linkspartei/Wagenknecht. Max Mannhart, Chefredakteur von Apollo News, fand das Statement „bedrückend“ und kam zu dem Schluss: „Umfallen. Es ist die Sprache der Feigheit, die falsche Kompromisse auszeichnet.“ Dieter Stein titelte in der Jungen Freiheit: „Die AfD-Führung versagt in einer historischen Stunde“ und warf ihr vor, nach außen wie „Putins Außenstelle“ zu wirken.
Auf die Kritik folgte auch eine parteiinterne Auseinandersetzung. In einer Telegram-Gruppe der Bundestagsfraktion soll Andreas Bleck nur zwei Minuten nach der Veröffentlichung einen Screenshot des Statements gepostet haben. Er schrieb, auf der nächsten Klausur müssten „wichtige Themen“ besprochen werden: „Ich werde nach außen hin nicht in Opposition zu diesen Aussagen treten. Der Wahlkampf geht schließlich vor. Ich möchte jedoch betonen, dass ich mich inhaltlich von diesen Aussagen nicht vertreten fühle. Wir müssen uns bei passender Gelegenheit unbedingt über unsere außenpolitische Grundrichtung verständigen.“ Der AfD-Politiker Uwe Schulz stimmte zu: „Auch mir gefällt das überhaupt nicht.“ Christian Douglas nannte das Statement „befremdlich“. Über die Chats berichtete die Welt zuerst. Auch öffentlich wurde der Ton schärfer. Der Bundestagsabgeordnete Rainer Kraft schrieb auf X: „Wenn rechte Patrioten sich genauso anhören und äußern wie Annalena Baerbock, dann ist die Chance groß, dass es sich gar nicht um rechte Patrioten handelt!“ Malte Kaufmann erinnerte an „tanzende und fröhliche Menschen im Iran“. Ein Teil der Partei sah sich gezwungen, hier eine Korrektur der öffentlichen Wahrnehmung vorzunehmen.
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