„Auch Männer müssen Männer hassen“ steht auf einem Schild auf einer „Danke Collien“-Demo in Köln. 250 selbsternannte Prominente fordern derweil irgendwelche politischen Maßnahmen gegen „digitale Gewalt“ oder die neueste Erfindung: „digitale Vergewaltigungen“. Zu den Unterzeichnern gehören neben Luisa Neubauer und Sängerin Nina Chuba auch Ultraprominente wie Katarina Dröge oder Bärbel Bas.
Natürlich fühlt man sich an die Affäre Correctiv erinnert. Es geht auch diesmal nicht nur darum, dass die Vorwürfe diffus bleiben, sondern darum, dass es den Empörten ganz bewusst egal ist, was genau Thema und Vorwand ihrer Empörung sind. Man ist einfach glücklich, dass man einen Katalysator finden konnte: für eine politische Agenda, für die Bestätigung eigener Ressentiments oder schlichtweg für einen neuen, vollkommen kostenlosen Weg für Prominente, als moralische Wichtigtuer in die Schlagzeilen zu kommen.
Der Brennstoff für dieses große mediale Schauspiel ist ein weniger glamouröser. Die Öffentlichkeit interessiert sich für diesen Fall so viel mehr als für eine mittlerweile gewöhnlich gewordene Vergewaltigung keinesfalls deshalb, weil er gesellschaftspolitisch relevanter wäre, sondern weil er alles in sich trägt, was eine gute Klatschgeschichte ausmacht: C-Promis, über deren Abgründe man sich gerne erhebt, bizarre und verstörende Sex-Storys und eine skurrile Mischung, die unsere Leidenschaft zum Lästern anheizt.
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