Der Bankrott der „Volksparteien“: keine Wähler, keine Mitglieder, keine Ideen

vor 7 Monaten

Der Bankrott der „Volksparteien“: keine Wähler, keine Mitglieder, keine Ideen
Bildquelle: Tichys Einblick

Zu den lustigsten Figuren im Repertoire des Kabarettisten Georg Schramm gehörte der rheinhessische Sozialdemokrat. In etwas weinerlicher Stimme klagte er über die Beschwerden der Welt und kündigte an, dass er da „im Ortsverein“ noch drüber reden müsse. Das war von Schramm fein beobachtet. Die lustige Seite daran, aber auch der nützliche Wert, den der Ortsverein hatte. Der war eine Keimzelle der Demokratie, in dem sich eine Mehrheit bildete – egal, ob es um Ostpolitik ging oder das Ostkreuz der Autobahn.

Die SPD hatte in den 1970er Jahren mal über eine Million Mitglieder, wie die Bundeszentrale für politische Bildung informiert. In der Union waren es demnach rund 900.000 Mitglieder Anfang der 80er Jahre. Aber laut Statistischem Bundesamt waren es Ende 2024 nur noch 490.000 Mitglieder in der Union, 365.000 davon in der CDU. Die SPD hatte demnach weniger als 360.000 Mitglieder. Ein hoher Anteil davon ist im Rentenalter. Es wäre also interessant, wie viele der Karteileichen buchstäblich tot sind.

Der Ortsverein hat als Raum für politische Willensbildung ausgedient. Sehr zum Schaden der SPD – und noch mehr zum Schaden Deutschlands. Denn im Ortsverein trafen professionelle Politiker und Funktionäre noch auf Kumpels, Rentner, Lehrer, Fließbandarbeiter oder Handwerker. Heute bleiben sie unter sich. Eine Generation von Berufspolitikern, die nichts kennengelernt hat außer Kreißsaal, Hörsaal und Plenarsaal. Kaum einer, der außerhalb des öffentlichen Dienstes einen Cent verdient hat.

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