Man kann nicht sagen, dass Politiker in Deutschland mehr arbeiten müssten. Die meisten sind in der Tat gut ausgelastet. Mehr nachdenken vor dem Sprechen wäre dagegen wünschenswert. Was reitet zum Beispiel die Union, eine Debatte darüber zu führen, dass die Deutschen mehr arbeiten müssen? CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann brachte es am Sonntagabend bei „Caren Miosga“ sogar fertig, auf die Frage, wer denn genau mehr arbeiten müsse, zu antworten: „Zum Beispiel Rentner in Deutschland.“
Wie bitte?
Man kann gern darüber diskutieren, ob höhere Lebenserwartung zu längerer Lebensarbeitszeit führen muss, wie der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen bei „Schuler! Fragen, was ist“ gut begründet vorrechnet. Bei der Frage nach Mehrarbeit aber als Erstes auf die Rentner zu zeigen, ist nicht nur parteitaktisch unklug, wenig sympathisch, sondern vor allem auch völlig abwegig. Wenn eine Rentnergeneration sich für dieses Land aufgerieben hat, dann ist es die aktuelle, und es werden auch noch diejenigen Rentner sein, die in den kommenden Jahren in Ruhestand gehen.
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