Der Nord-Stream-Anschlag und der Kampf um die Deutungshoheit

vor 2 Monaten

Der Nord-Stream-Anschlag und der Kampf um die Deutungshoheit
Bildquelle: Apollo News

Es liest sich wie ein Agententhriller: Ehemalige Geheimdienstler raufen sich zusammen, organisieren mit privaten Mitteln die Ausrüstung für einen der wohl bedeutendsten Sprengstoffanschläge der jüngeren Geschichte – in einer Guerillaoperation vollbringen sie den Coup und greifen ins Weltgeschehen ein, schwächen eine Großmacht. Dann entkommen sie auch noch der Justiz der betroffenen Staaten.

Genau so soll das im Fall des Nord-Stream-Anschlags im September 2022 geschehen sein, schenkt man unterschiedlichsten Medienberichten Glauben: Eine kleine Gruppe Ukrainer schaffte es, die beiden wichtigsten Pipelines für Russlands Gasexport auszuschalten. Die Bilder des Anschlags gingen um die Welt und veränderten die politische Lage in Deutschland schlagartig.

Während anfangs noch völlig unklar war, von wem der Anschlag eigentlich ausging – waren es die Ukrainer, die Russen oder die Amerikaner? –, haben sich die Journalisten, die seit Jahren zu dem Fall recherchieren, mittlerweile mehrheitlich auf die Hauptdrahtzieher geeinigt: zwei ehemalige ukrainische Geheimdienstler mit CIA-Verbindungen, die außerhalb offizieller staatlicher Strukturen agierten.

Wie viel wusste aber der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj? Inwiefern war der amerikanische Auslandsgeheimdienst, die CIA, daran beteiligt? Wurde die ukrainische Beteiligung an dem Anschlag von der damaligen Bundesregierung unter Führung von Olaf Scholz dazu genutzt, gegen Waffenlieferungen an den ukrainischen Staat zu argumentieren?

Um diese Fragen dreht sich ein heftiger Deutungskampf, der durch gleich zwei neue Bücher kräftig befeuert wird. Bojan Pancevski, Deutschland-Korrespondent des Wall Street Journal, hat „Die Nord-Stream-Sprengung. Die wahre Geschichte der Sabotage, die Europa erschütterte“ geschrieben. Es ist am 16. April bei HarperCollins erschienen und derzeit in aller Munde.

Im Podcast von Bild-Journalist Paul Ronzheimer durfte der Autor gleich in einer Doppelfolge mit einer Laufzeit von insgesamt rund drei Stunden von seinen Enthüllungen berichten. In der ZDF-Talkshow Markus Lanz sprach Pancevski über sein Buch – und saß dabei neben Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt. Zuvor hatte der Scholz-Vertraute bereits Pancevskis Buchpremiere besucht.

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