Politische Systeme lassen sich mit einer einzigen ökonomischen Kennzahl ideal miteinander vergleichen: die Bewegung von Kapital – oder, anders ausgedrückt, die Nettodirektinvestitionen. Dieser Datenpunkt besitzt eine überragende Signifikanz, da in ihm das finale Urteil Tausender Investoren über die vergleichbare Qualität eines Wirtschaftsstandorts konsolidiert wurde. Es überrascht daher nicht, dass wir in der sonst so umfangreichen statistischen Arbeit fleißiger europäischer Datenämter so gut wie nie auf valides Datenmaterial oder aktuelle Kapitalflussrechnungen zwischen der strauchelnden Eurozone und den USA zurückgreifen können.
Bekannt ist aber: Die Bundesrepublik verlor im vergangenen Jahr netto 64,5 Milliarden Euro an Direktinvestitionen ins Ausland, ein Großteil davon dürfte in die USA geflossen sein. Diese Kapitalbewegung zeigt über viele Jahre eine stabile Tendenz und sie liefert uns den statistischen Nachweis für die beschleunigte Deindustrialisierung des Landes.
Für das Jahr 2024 lässt sich zudem festhalten, dass die EU netto rund 20 Milliarden Euro an Direktinvestitionen an die USA verlor. Bezogen auf die Kapitalposition bedeutet dies: Der Bestand an Direktinvestitionen europäischer Unternehmen in den Vereinigten Staaten wuchs im vergangenen Jahr auf 5,7 Billionen US-Dollar an. Die USA sind und bleiben damit der präferierte Investitionsstandort im globalen Wettbewerb. Über die Portfolioinvestitionen – also Finanzanlagen an den Börsen – wollen wir hier gar nicht sprechen: In diesem Bereich sieht die Bilanz für die Europäer noch düsterer aus.
US-Präsident Donald Trump versteht wie kein anderer die Macht des Kapitals. Jede diplomatische Reise wird zur Offensive für den Wirtschaftsstandort USA – und der Erfolg spricht für sich. Schon seine Nahostreise im Mai 2025 zog Investitionszusagen aus den Golfstaaten in Billionenhöhe nach sich, die eindrucksvoll demonstrieren, wohin das international mobile Kapital wirklich fließt.
In der Eurozone herrscht indes ein ähnlich hektisches Treiben wie in Washington, allerdings aus anderen Motiven. Man befindet sich administrativ und technisch in den letzten Zügen zur Einführung des digitalen Euro. Er soll das technische Rahmenwerk liefern, das den Euro in die Lage versetzt, auch künftig mit den großen Währungsblöcken der Welt Schritt zu halten – das Eurosystem droht zwischen dem mächtigen Duopol der USA und China förmlich zerrieben zu werden. Es spiegelt längst die marginalisierte geopolitische Situation der EU wider.
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