Viele Ärzte und Pflegekräfte können von dem Trubel der Visiten im Krankenhaus ein Lied singen: Das Behandlungsteam spricht regelmäßig mit den Patienten, wie es ihnen mit der Therapie sowie Medikation ergehe und welche weiteren Schritte erfolgen könnten. Meist leitet ein Oberarzt des Krankenhauses eine solche Visite, um die Qualität der Behandlung sicherzustellen. Wenn der aber im Urlaub oder krank ist, dann muss ein Oberarzt einer anderen Station vertreten. Dann wird es kompliziert:
Diese Vertretung kennt die Patienten nicht, muss aber dennoch sinnvolle Therapieschritte einleiten. Zum Beispiel ein Medikament höher oder niedriger dosieren. Es geht teils um heftige Medikamente. Die sollte ein Arzt nicht ohne Hintergrundinformationen verordnen. Die elektronische Patientenakte (ePA) bietet Ärzten, genauso wie Apothekern, einen schnellen und einfachen Zugang zu sämtlichen Informationen über die Krankheitsgeschichte des Patienten.
Früher mussten anwesende Kollegen die halbe Patientenakte mündlich vorstellen oder verzweifelt in der analogen Patientenakte herumblättern, um etwa Ergebnisse aus einem Fragebogen zu Depressionen nennen zu können. Dies wandelt sich: Mittlerweile greifen Krankenhäuser auf digitale Systeme wie etwa „Nexus AG“ zurück. Dort können alle Behandelnden, von Pflegekraft bis Chefarzt, den Patientenfortschritt kontrolliert dokumentieren, Testergebnisse hochladen, einen Eintrag zum abschließenden Arztbrief einfügen und so weiter. Sämtliche Informationen sind somit zentral gespeichert und können von sämtlichen Geräten jederzeit abgerufen werden. Das erleichtert den Alltag im Krankenhaus enorm.
Seit letztem Mittwoch sind Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken dazu verpflichtet, mit der elektronischen Patientenakte (ePA) zu arbeiten. Aber noch nicht alle Krankenhäuser in Deutschland sind dafür bereit: Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) haben zwar fast alle Krankenhäuser in der Republik mit den „organisatorischen Vorbereitungen“ für die Arbeit mit der Akte begonnen. Allerdings haben nur etwa zwei Drittel der Kliniken begonnen, die ePA tatsächlich einzuführen. Noch weniger – nur etwa jedes fünfte Krankenhaus – hat den Prozess bislang vollständig abgeschlossen.
Für vier von fünf Krankenhäuser bedeutet das also, dass die Patienteninformationen auf eine analoge und eine digitale Akte aufgeteilt sind. In der digitalen Akte findet erfahrungsgemäß vor allem die laufende Dokumentation von Arztgesprächen oder Visiten statt. Aber wichtige Papiere wie Testergebnisse liegen weiterhin meist nur analog vor. Diese Zettel zu digitalisieren, ist in einigen Kliniken mit logistischen Problemen verbunden: Etwa, wenn es auf einer Station keinen eigenen Scanner gibt und ein Arzt den Papierkram erstmal ins Sekretariat des Krankenhauses bringen lassen muss, damit die Sekretärinnen diesen einscannen und in die digitale Akte hochladen. Wer daran zweifelt, dass diese Zettel tatsächlich irgendwann in der digitalen Akte ankommen, dem sei gesagt: zurecht. Auf diesem Wege zur Digitalisierung kann es schon mal vorkommen, dass Testergebnisse wie vom Erdboden verschwinden.
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