Die Grünen behaupten, Kernkraftwerke seien anfällig für Hitze – und damit keine Zukunftstechnologie. NIUS hat bei Energieexperte Dr. Björn Peters nachgefragt. Ein Gespräch über die Wetteranfälligkeit der Erneuerbaren, die erstaunliche Stabilität der Kernenergie – und die Trugschlüsse der Klimapolitik.
NIUS: Beginnen wir mit einer aktuellen Äußerung der Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann. Sie behauptete, Kernkraft sei keine Zukunftstechnologie mehr, weil einige Reaktoren bei Hitze heruntergefahren werden müssten – insbesondere in Frankreich und der Schweiz. Wie ist das einzuordnen?
Dr. Björn Peters: Das ist ein klassischer Fall von selektiver Wahrnehmung. Mir fällt dazu immer das biblische Bild vom Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen ein. Denn wenn eine Energieform ein massives Wetterproblem hat, dann sind es die sogenannten „Erneuerbaren“. Die Kernkraft hat – im langjährigen Durchschnitt – ein Problem von etwa 0,3 Prozent Leistungsverlust durch Hitzeschutzmaßnahmen. Und das auch nur in Frankreich. In Deutschland ist das praktisch vernachlässigbar.
Dagegen haben Windkraftanlagen ein Wetterproblem von etwa 75 bis 80 Prozent – die meiste Zeit steht der Wind nicht im nötigen Bereich. Und Photovoltaik funktioniert nur rund 900 Stunden im Jahr wirklich produktiv – bei insgesamt 9000 Jahresstunden. Diese Diskrepanz blendet Frau Haßelmann völlig aus.
Darüber hinaus: Dass Kernkraftwerke ihre Leistung drosseln, um Umweltbelastungen zu vermeiden, zeigt, dass sie sich wirklich um die Umwelt bemüht. Den Windbaronen ist hingegen gleichgültig, wenn sich da mal ein Seeadler oder Mäusebussard verfängt. Den fressen dann schnell die Füchse – und dann ist der weg.
NIUS: Wäre es auch möglich, die Kühlung von Kernkraftwerken unabhängig vom Flusswasser zu organisieren?
Peters: Ja, natürlich. Es gibt dafür mehrere Lösungen. In Deutschland hatten wir etwa im Kernkraftwerk Neckarwestheim einen sogenannten Trockenkühlturm. Der kondensiert den Wasserdampf, ohne ihn direkt zu verdampfen, und kommt so mit deutlich weniger Wasser aus. Gerade an kleineren Flüssen wie dem Neckar war das ein sinnvoller Weg.
Ein gutes Beispiel sind auch die Reaktoren in Bugey in Frankreich. Zwei von ihnen nutzen Kühltürme – die laufen durch. Die anderen zwei kühlen direkt aus der Rhône und müssen bei Hitze gelegentlich gedrosselt werden. Aber „gedrosselt“ heißt eben nicht: abgeschaltet. Im Gegensatz dazu bricht die Solar- oder Windstromproduktion bei bestimmten Wetterlagen völlig zusammen.
Kernkraftwerk Bugey in Saint Vulbas, Frankreich, am Sonntag, den 22. Juni 2025. Frankreich erwog hier jüngst Reduzierungen der Stromproduktion.
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