Gesperrt ist die Straße von Hormus nicht. Sonst hätte die Marine Indiens nicht gerade zwei LPG-Tanker ihrer staatlichen Reederei SCI durch diesen Ölweg geleitet und in die weitere Heimreise entlassen. Die Schiffsleere in der Straße von Hormus hat ihre Ursache in einer Vorschrift der EU für Versicherer.
Sie müssen über ausreichend Kapital verfügen, um einen statistisch alle 200 Jahre auftretenden Katastrophenschaden mit 99,5-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu überstehen. Das hat gerade ein Drittel des Seehandels der Düngemittel zum Erliegen gebracht.
Solvency II (Richtlinie 2009/138/EG, EU-weit seit 2016 voll wirksam) verlangt von europäischen Versicherern die Solvency Capital Requirement (SCR) auf dem Niveau eines 99,5-%-Value-at-Risk über ein Jahr – also genug Eigenkapital, um einen „alle 200 Jahre“-Schock zu überstehen. Im Non-Life-Underwriting-Risk-Modul steckt unter anderem das Marine-Risiko-Submodul (inklusive Behandlung von Kriegsrisiken), das Kapitalanforderungen für Hull, Cargo, P&I-Haftpflicht und besonders für War-Risk-Exposures berechnet.
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