Der Satz, den Alice Weidel zu Beginn ihrer halben Stunde in der Wahlarena über Scholz sagte, schwebte im Grunde von Beginn an über der ganzen Sendung: „Es ist alles gesagt.“ Zum x-ten Mal waren die vier Spitzenkandidaten der Parteien nun schon in immer wieder verschiedenen Konstellationen und Formaten in Talkshows, Duellen und Interviews. Die Parteiprogramme sind längst veröffentlicht und zugänglich, die Parteien und ihre Kandidaten melden sich täglich öffentlich zu Wort, sämtliche Medien berichten in Dauerschleife.
Kurzum: die Argumente sind ausgetauscht, die Positionen klar. Es ist in der Tat bereits alles gesagt. Und dennoch werden die Kandidaten beinahe im Tagesrhythmus in immer neue Showformate gezerrt, die dem Ernst der Sache schon formatbedingt nur bedingt gerecht werden können. Und in denen Politiker in weniger als 40 Minuten ihr Regierungshandeln der nächsten 40 Monate erklären sollen. Natürlich ist das nötig – aber müssen die Kandidaten die immer gleichen Floskeln, Phrasen und Versprechen wirklich jeden Tag aufs Neue zum Besten geben? Offenbar schon.
Gestern jedenfalls haben sich nacheinander Friedrich Merz, Olaf Scholz, Alice Weidel und Robert Habeck den Fragen der Studiogäste gestellt. Diese wurden von der ARD-Redaktion zuvor in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt. Das Publikum bestand demnach aus Leuten „mit aus Sicht der Redaktion berechtigten Fragen, auf die sie von allen Politikerinnen und Politikern Antworten erwarten können“, so der Sender. Zudem habe man bei der Auswahl der Fragesteller „auf eine möglichst große Vielfalt Wert gelegt“ und mit allen Teilnehmern vorab „Gespräche geführt“.
Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass „dies kein repräsentatives Publikum“ sei. Dass das noch eine euphemistische Beschreibung der tatsächlichen Zustände ist, die gestern Abend im ARD-Studio herrschten, zeigte sich dadurch, dass bei einer ÖRR-Wahl-Talkshow einmal mehr die Fragen des Publikums und nicht die Politiker in Erinnerung bleiben werden.
Den Anfang machte dabei der sichtlich gut aufgelegte und vorbereitete CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Selbst Jessy Wellmer, die die Sendung zusammen mit Louis Klamroth moderierte, musste nach einer Weile feststellen: „Herr Merz ist gut in Form“. Damit hatte sie zweifellos Recht. Merz war erkennbar darum bemüht, nahbar und empathisch zu erscheinen und intensiv auf die einzelnen Fragesteller einzugehen. Neuigkeiten waren dabei freilich nicht zu vernehmen – alles andere wäre aber auch eine Überraschung gewesen.
Merz erklärte die Pläne der CDU für Steuerentlastungen, erläuterte, dass Klimaschutz nur mit Technologieoffenheit und nur dann gelingen könne, wenn das deutsche Modell als Vorbild für andere Länder taugt, sprach sich gegen eine Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 aus und brachte zum Ausdruck, dass er offen für eine Fortsetzung des 59€-Tickets über 2025 hinaus ist – auch wenn er darauf hinwies, dass damit faktisch urbane Milieus auf Kosten der ländlichen Bevölkerung profitieren. Für jeden, der Friedrich Merz im Wahlkampf auch nur einmal gesehen hat, war das wie gesagt nichts Neues.
Etwas blass oder zumindest ausweichend antwortete Merz hingegen auf die Fragen nach besserer Repräsentation Jüngerer in der Politik sowie nach Veränderungen im Bereich des Bildungssystems. Indem er bei ersterem schlicht ein stärkeres politisches Engagement junger Leute forderte und bei letzterem insbesondere auf die große Verantwortung der Eltern verwies, verlagerte er die Verantwortung von der politischen auf die gesellschaftliche Ebene.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











