Wer einen Denker verstehen will, tut gut daran, auch die Welt zu bedenken, aus der er stammt. Das ist bei Martin Heidegger von besonderem Gewicht; seine Herkunft begleitet ihn sein Leben lang. Er kommt aus dem alemannischen Raum, ist 1889 in Meßkirch geboren. Er bringt sein Leben fast ohne Ausnahme im Schwarzwald oder zu dessen Füßen, in Freiburg, zu. Oben, am Hang des Feldberges, besitzt er eine Hütte, kärglich ausgestattet mit Holzbänken und Betten von spartanischer Einfachheit; das Wasser muss man aus einem nahegelegenen Brunnen schöpfen.
Auf der Bank vor der Hütte sitzt Heidegger oft lange und betrachtet die Weite der Berge und das schweigende Ziehen der Wolken, indes in ihm die Gedanken reifen. Oder er unterhält sich im »Wirtschäftle« mit den benachbarten Bauern über deren Dinge, in der tropfenden Weise des Gesprächs, die den Menschen dieses Landstrichs eigen ist. Doch das Alemannische zeigt sich nicht nur in Heideggers Hang zu Landschaft und Menschen des Schwarzwaldes. Es kommt auch in seiner geistigen Wesensart zum Vorschein: dem schweren, bedächtigen Denken, dem grüblerischen Tiefsinn, der Einsamkeit, die ihn umgibt, der leisen Schwermut, die von ihm ausgeht.
Auch das Äußere dieses Mannes hat etwas Bäurisches an sich. Man erzählt sich, ein Wiener Philosoph habe einmal einen Vortrag über Heidegger gehalten und nachher geäußert, er habe offensichtlich klar genug gesprochen, denn ein Bäuerlein in der ersten Reihe habe ihn die ganze Zeit über verständnisinnig angeschaut. Am Ende habe sich herausgestellt: Das Bäuerlein war Heidegger. Das mag eine Legende sein. Aber wenn man auf Fotografien sieht, wie Heidegger, nicht groß von Gestalt, in einem nach folkloristischen Ideen der Jugendbewegung entworfenen Anzug, mit der Zipfelmütze auf dem Kopf, über die bergigen Wiesen stapft, dann spürt man unmittelbar etwas von der Erdverbundenheit dieses Philosophen. Sie auch veranlasst ihn, zweimal einen ehrenvollen Ruf an die Berliner Universität auszuschlagen; er scheut den Lärm und den Kulturbetrieb der Großstadt und will lieber in dem einstmals stillen Freiburg bleiben oder auf dem »Feldweg« gehen, dessen »Zuspruch« er in einer besinnlichen Schrift beschreibt.
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