„Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland.“ Das sagt der Deutschland-Chef von Boehringer-Ingelheim, Médard Schoenmaeckers.
Der Pharmakonzern stoppt bei uns geplante Investitionen für die Jahre 2027 bis 2030 mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 900 Millionen Euro. „Wir müssen Schritt halten mit der Entwicklung in den USA und Asien“, sagt Schoenmaeckers. Die gestoppten Investitionen waren vor allem für den Ausbau der Infrastruktur an deutschen Standorten vorgesehen, unter anderem für neue Laborgebäude.
Das sind Arbeitsplätze, die nicht in Deutschland entstehen. Noch schlimmer sind Hunderttausende von Arbeitsplätzen, die verloren gehen.
„Wir befinden uns in einer Krise, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht in Deutschland gab.“ Das sagt Oliver Zander. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall vertritt damit 7.400 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 2,4 Millionen Beschäftigten.
„Seit 2019 haben wir 320.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie verloren. Die Betriebe leiden unter einer Unterauslastung: Normal sind 85 Prozent Auslastung, jetzt sind es 79 Prozent. Das ist rechnerisch ein Personalüberhang von noch mal 300.000 Arbeitsplätzen.“
Die werden sicher verlorengehen, wenn sich nicht schnell etwas ändert. So wie die vielen Jobs, die im Juni weggefallen sind.
1. Juni
Manroland Sheetfed GmbH Der größte Arbeitgeber im hessischen Offenbach, einst drittgrößter Druckmaschinenhersteller der Welt, stellt den Betrieb am Standort Offenbach ein. Schon zum 1. Juni verlieren 660 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz – die restlichen 84 dann zum Jahresende, wenn die Fabrik abgewickelt ist. Minus 744 Jobs.
NordAlu Der Metallbetrieb hat die Produktion angehalten. Die Gewerkschaft IG Metall berichtet von nicht fristgerecht gezahlten Rechnungen und Gehältern. Außerdem fehle es an Material und Energieversorgung für die Aluminiumverarbeitung. Ob der Betrieb gerettet werden kann, ist fraglich. Minus 100 Jobs.
Molecular Health GmbH Das Heidelberger Biotechnologie-Unternehmen meldet Insolvenz an. Die Firma gehört fast vollständig der Dievini-Holding von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und entwickelt KI-Softwarelösungen im Medizinbereich, unter anderem für die Charité in Berlin und für das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Das Unternehmen konnte den Absprung eines Großkunden nicht auffangen. Jetzt wird ein Investor gesucht, der zumindest die Hälfte der rund 60 Arbeitsplätze rettet. Die anderen sind sicher verloren. Minus 30 Jobs.
2. Juni Herbert Dammann GmbH Der Landmaschinenhersteller aus Buxtehude in Niedersachsen meldet Insolvenz an. Der Familienbetrieb produziert Fahrzeuge und Geräte für die Bereiche Pflanzenschutz-, Airport- und Kommunaltechnik. Das Unternehmen ist spezialisiert auf das präzise Verteilen von Flüssigkeiten und gehört zu den führenden Herstellern am Markt. Grund: Eine andauernde, branchenweite Marktschwäche hat „zu deutlich rückläufigen Auftragseingängen und einer niedrigeren Auslastung geführt“. Minus 140 Jobs.
3. Juni
STC Spinnzwirn Der 160 Jahre alte Textilmaschinenbauer STC Spinnzwirn meldet Insolvenz an. Mit den Maschinen des Traditionsbetriebs wird unter anderem Kunstrasen hergestellt. Die Rohstoffkosten sind stark gestiegen, gleichzeitig gab es weniger Aufträge. Dadurch sind Umsätze und Gewinne zu stark gesunken. Die Firma hofft zwar, sich retten zu können – aber ob das gelingt, ist völlig unklar. Minus 140 Jobs.
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