Der Corona-Expertenrat sollte die Bundesregierung von Olaf Scholz wissenschaftlich beraten und wurde kurz nach der Amtseinführung von Scholz ins Leben gerufen. 19 Experten aus verschiedenen Bereichen, darunter Lothar Wieler, Hendrik Streeck, Thomas Mertens und Alena Buyx, waren in diesem Expertenrat, der 16 Monate lang, bis zum Ende der Pandemie, bestand. Zu den 19 Experten, die die Politik beraten sollten, gesellte sich noch ein ganz besonderer Experte: der damalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach selbst.
Wie Unterlagen, die die Welt in einem Rechtsstreit mit dem Kanzleramt erstreiten konnte, zeigen, war die Anwesenheit von Lauterbach in dem Gremium nicht vorgesehen. Denn ursprünglich war politische Unabhängigkeit geplant. „Im Sinne der gewünschten unabhängigen Beratungsfunktion und öffentlichen Akzeptanz sollten dem Gremium ausschließlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehören, keine politischen Vertreter“, schrieb Gesa Miehe-Nordmeyer, die als Abteilungsleiterin für Gesundheitspolitik im Kanzleramt für den Expertenrat zuständig war, in einem Brief an den Bundeskanzler Scholz.
„BM Lauterbach sollte daher Adressat der Expertise sein, aber nicht selbst im Gremium mitwirken“, nannte Miehe-Nordmeyer den Bundesminister explizit. In dem Dokument, das der Welt vorliegt, ist diese fettgedruckte Forderung mit einem Haken versehen. Wer den Haken gesetzt hat, geht aus dem Dokument nicht hervor. Neben Lauterbach war noch ein weiterer Politiker für das Gremium vorgesehen, der SPD-Landrat Stefan Sternberg aus Mecklenburg-Vorpommern. Sternberg qualifizierte sich als kommunaler Krisenmanager für das Gremium.
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