Während die Sozialdemokraten anderswo massiv an Zustimmung verlieren, gewinnt im Norden eine Frau Wahlen, indem sie Dinge ausspricht, die andere lieber umgehen. Ohne Scheu benennt sie die Folgen unkontrollierter Migration, setzt das wirtschaftliche Wohl der dänischen Bevölkerung als klare Priorität. Mette Frederiksen, Tochter einer Lehrerin und eines Druckers, aufgewachsen in Aalborg, ist nicht gekommen, um zu gefallen. Sie ist gekommen, um zu regieren und sich durchzusetzen. Bei den Parlamentswahlen am Dienstag in Dänemark mussten die Sozialdemokraten von Regierungschefin Mette Frederiksen zwar deutliche Verluste kassieren, haben laut Nachwahlbefragungen aber dennoch die meisten Stimmen erhalten.
Wer ist Mette Frederiksen? Zuerst fällt auf: Sie äußert sich mit einer Klarheit, die fast schon unhöflich wirkt. Frederiksen ist vieles zugleich: jüngste Ministerpräsidentin ihres Landes, zweite Frau im Amt, alleinerziehende Mutter an der Spitze eines Staates, der erstaunlich gut funktioniert. „Danmark først“ lautet ihr Motto, Dänemark zuerst. Mit dem Erfinder des Slogans „America First“ machte sie kurzen Prozess, als Donald Trump ankündigte, Grönland übernehmen zu wollen: Sie lachte ihn aus.
Frederiksens Familie ist seit Generationen in der Arbeiterbewegung verwurzelt. Am Küchentisch wird konkret über Arbeitsplätze, Mieten und soziale Sicherheit diskutiert und gestritten. Für Mette Frederiksen ist Politik schon früh Alltag. Vielleicht kommt daher dieser Ton, der bei Frederiksen bis heute mitschwingt: wenig Geduld für Ausreden, wenig Interesse an rhetorischen Schleifen.
Als sie 15 wird, tritt sie in die Jugendorganisation der Sozialdemokraten ein. Mit 24 ist sie die jüngste Abgeordnete im Parlament. Sie fällt auf, weil sie sich traut zu widersprechen, und weil sie Dinge fordert, die selbst der eigenen Partei zu weit gehen. Die Bestrafung von Freiern nach schwedischem Vorbild etwa, bei dem der Kauf von Sex strafbar ist – ein Vorstoß, der scheitert, aber früh zeigt, wie konsequent Frederiksen ihre Themen verfolgt.
In den folgenden Jahren arbeitet sie sich mit Disziplin durch Partei und Parlament, übernimmt Verantwortung für Gleichstellung, Soziales und später Führungsaufgaben in der Fraktion. Frederiksen entwickelt dabei diesen klaren Ton, während sie gleichzeitig genauer hinschaut, wie sich ihr Land verändert und wo die politischen Antworten nicht mehr greifen.
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