Wie komplex der Nahe Osten ist, kann man an den letzten 24 Stunden ablesen, sofern man versteht und emotional verarbeiten kann, was veröffentlicht wird. In der Nacht zum Dienstag lösen Raketen aus dem Jemen Alarm im Großraum Tel Aviv aus, in dem fast fünf Millionen Menschen leben. Mit der Nachtruhe ist es wieder einmal vorbei, es entsteht „nur Sachschaden“. Am Morgen berichten arabische und israelische Medien, dass „sehr bald 33 israelische Geisel freikommen“, die seit 465 Tagen und Nächten vermutlich in Tunnels dahinvegetieren.
Die Mehrheit in Israel freut sich, aber Ministerpräsident Netanyahus Koalitionspartner, die national religiöse Partei „Religiöse Zionisten“, bezeichnet den Deal als „Katastrophe“ und droht mit dem Ausstieg aus der Regierung. Gleichzeitig trauert Israel um weitere fünf Soldaten, die in diesem Zeitraum in Gaza gefallen sind. Ganz nebenbei: mit dem Libanon hat Israel einen 60-tägigen Waffenstillstand, bei dem fast täglich geschossen wird.
Aus diesem Nachrichten-Gebräu suchen sich Journalisten aus aller Herren Länder ihre Schlagzeilen und lassen weg, was in ihre politische Deutung nicht passt. Der Erwartungsdruck der Heimat-Redaktionen tut ein Übriges und der Fantasie sind ohnehin keine Grenzen gesetzt. Der kürzlich verstorbene, frühere deutsche Botschafter, Rudolf Dreßler, bezeichnete solche Situationen gerne mit dem hebräischen Wort „Balagan“, was so viel heißt wie geordnetes Chaos.
PUTINS KRIEG: Heftige Angriffe vor Nato-Gipfel! Russland feuert massiv auf Ukraine I WELT LIVESTREAM











