Ein Uhr nachts, irgendeine Nostalgie-Disco zwischen Palermo und Flensburg. Die Tanzfläche hat schon bessere Momente gesehen, die Getränke sowieso. Dann legt der DJ diese Klavierakkorde auf. Ein Raunen. „Turn around“, singt eine Männerstimme, und spätestens beim „bright eyes“ ist der ganze Laden dabei, die Achtzehnjährigen wie ihre Eltern, die Textsicheren wie die, die nur ungefähr die Vokale treffen. Vier Minuten Einigkeit. Nationalhymnen schaffen das nicht mal an guten Tagen.
Wer Bonnie Tyler erst in solchen Nächten kennengelernt hat, lange nach ihren großen Jahren, begreift vielleicht am besten, was diese Frau konnte. Ihre Lieder brauchten die Achtzigerjahre nicht. Sie brauchten nicht einmal Erinnerung. Sie funktionierten bei Leuten, die 1983 noch gar nicht geboren waren, und das ist eine Währung, in der man Popmusik ehrlicher misst als in Chartplatzierungen. Am Mittwoch ist Bonnie Tyler in einem Krankenhaus im portugiesischen Faro gestorben, 75 Jahre alt, nach wochenlangem Kampf.
Geboren wurde sie 1951 als Gaynor Hopkins im walisischen Skewen, der Vater Bergarbeiter, die Mutter eine Opernliebhaberin. Der Vater gab ihr den Staub in der Stimme, die Mutter das Drama. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf, sang bei einer Truppe namens „Bobby Wayne and the Dixies“ und gründete dann eine eigene Band, die sie mit hübschem Größenwahn Imagination taufte.
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