„Hier arbeitet der Kanzler mit Fake History“ 

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„Hier arbeitet der Kanzler mit Fake History“ 
Bildquelle: NiUS

Eine Taktik, die man aus totalitären Regimen kennt, ist auch in der deutschen Politik angekommen: die Geschichtsverfälschung. Sich die Vergangenheit so zurechtzubiegen, abzuändern, zu klittern, dass sie den eigenen Machtanspruch stützt. Hartnäckig hält und verbreitet sich die Behauptung, Deutschland sei von den Gastarbeitern aufgebaut worden, hätte ihnen gar das Wirtschaftswunder zu verdanken. Bei NIUS Live sprachen Julius Böhm und Björn Harms über die Beweggründe dieser Falschbehauptung, die auch Kanzler Olaf Scholz erst am Montag wiederholte.

„Hier arbeitet der Kanzler ganz klar mit Fake History“, sagt Harms. „Das erste Gastarbeiterabkommen wurde bekanntlich 1955 geschlossen, mit Italien“. Es folgten Spanien, Griechenland und die Türkei. 1955 sei das Wirtschaftswachstum auf seinem Höhepunkt, anschließend flachte es ab, das Wirtschaftswunder sei also, entgegen der Erzählung, zum Zeitpunkt der Gastarbeiter-Abkommen schon vorbei gewesen. „Der entscheidende Punkt ist ja, dass das Land aufgebaut war, extremer Wirtschaftsaufschwung existierte und Unternehmen händeringend nach Mitarbeitern suchten, erst der Grund dafür war, dass man im Ausland nachgefragt hat“, ergänzt NIUS-Reporter Böhm.

Dass Gastarbeiter angeblich das „Rückgrat der deutschen Industrie“ gewesen seien, widerlegt Björn Harms. „Anfang der 1960er war ein Prozent der Arbeitnehmer ausländische Bevölkerung. Man spricht den Deutschen ab, die Kraft gehabt zu haben, ihr eigenes Land wieder aufzubauen“. Er ergänzt: „Das ist eine Geschichtsverfälschung, die nicht zufällig kommt. Es soll das Narrativ unterfüttern: Die Einwanderung war schon immer positiv. Das hat orwellsche Züge“. Denn so solle jede Kritik an Einwanderung auch heute abgeschmettert werden können.

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