Es ging schon früh lebhaft zu in Halle F des Budapester Kongresszentrums „Hungexpo“. Mehr als 850 Delegierte der Regierungspartei Fidesz, die frisch gekürten 106 Direktkandidaten für die 106 Wahlkreise Ungarns, alle möglichen Politiker mit ihren Mobiltelefon schwenkenden Social-Media-Teams, einheimische und ausländische Journalisten und viele Hundert Gäste – irgendwo zwischen 2500 und 3000 Menschen drängten sich da bereits ab 10 Uhr morgens, alte Bekannte grüßten sich, neue Bekannte tauschten Visitenkarten, an den Talk-Bühnen der verschiedenen Fernsehsender verfolgten Menschentrauben die Live-Diskussionen mit Experten und Politikern.
Die Stimmung war spürbar gut, sehr viel besser als noch im Sommer. Da hatte sich in den Reihen der Regierungspartei eine gewisse Sorge breitgemacht: In vielen Umfragen führte die neue Oppositionspartei Tisza mit riesigem Vorsprung, auch im Internet war ihr Anführer Péter Magyar allgegenwärtig. „Es sieht jetzt viel besser aus“, sagten mehrere Mitglieder des Wahlkampfteams diesem Reporter.
Dennoch: Sowohl die allgemeine Stimmung als auch der Ton vieler Reden, wie auch Orbáns Ton selbst war etwas anders als beim Kongress vor den letzten Wahlen im Jahr 2022. Auch da sahen viele Umfragen die damals erstmals vereinte Opposition in Führung. Aber intern wusste man bei der Regierungspartei, dass die Dynamik anders aussah, dass man siegen würde. Damals sagte Parteidirektor Kubatow: „Bei den knapp verlorenen Wahlen 2002 fehlten uns durchschnittlich pro Wahlkreis zwei Stimmen. Mit unseren heutigen Köpfen hätten wir diese Stimmen gefunden.“ Will heißen: Fidesz’ Wahlmaschinerie, die massive Mobilisation am Wahltag, um die eigenen Wähler an die Urnen zu locken, wurde seither perfektioniert. Das ist auch heute noch wahr.
Jetzt klang Kubatov etwas anders: Er wundere sich über den Beifall, witzelte er, da doch er es sei, der alle bis zur Erschöpfung antreibe. „Nur noch 40-mal schlafen bis zur Wahl“, schloss er. Mit anderen Worten: Bis zur Wahl in 98 Tagen kommt er höchstens jeden zweiten Tag zum Schlafen.
Auch Verkehrsminister Lázár János, der sich humorvoll als „Verspätungsminister“ vorstellte, wurde ernst: Er unterstrich, womit man Wahlen NICHT gewinnen könne: mit Feigheit, mit Entschuldigungen. Bemerkenswerterweise räumte er ein (wie in den vergangenen Wochen auch Orbán selbst), dass man mitunter Fehler begangen habe. Er empfahl „uns allen, nicht über, sondern mit den Menschen zu reden“.
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