Al-Scharaa ist weg, die Probleme bleiben. In Deutschland dominiert die Diskussion darüber, ob es der deutsche Kanzler oder der syrische Übergangspräsident war, der sagte, dass in drei Jahren 80 Prozent der Syrer in ihre Heimat zurückgeführt würden. Zuerst verwies Merz auf al-Scharaa, dann al-Scharaa auf Merz. Im Protokoll, das die Zeit online gestellt hat, steht: „In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre – das ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen – sollen rund 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, in ihr Heimatland zurückkehren.“
Der Machthaber aus Damaskus hätte also bereits an dieser Stelle widersprechen können. Womöglich ging es beim Dolmetscher unter, womöglich sprach Merz zu schnell – wie auch immer. Offenbar hat al-Scharaa eine solche Perspektive zumindest in Aussicht gestellt. Dass er sich jetzt nicht mehr daran erinnern kann, weckt Zweifel, wie sehr man dem neuen Regime trauen kann. Es ist nur ein Mosaikstein in einem Bild.
Denn in Syrien selbst sieht die Menschenrechtslage alles andere als rosig aus. Das Auswärtige Amt verstieg sich noch im Dezember zu der Behauptung, dass diese sich verbessert habe. Dabei datiert das Massaker an den Alawiten bereits auf den März 2025. Medial wurde vielfach das Narrativ der Regierung genommen, man sei gegen unverbesserliche Assad-Anhänger vorgegangen. Das passt allerdings kaum mit der Sachlage zusammen, dass seitdem dutzende alawitische Frauen immer noch entführt sind. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen von 1.500 Toten aus.
Im Sommer 2025 griffen sunnitische Einheiten Stellungen der Drusen an. Die Drusen gelten wie die Alawiten vielen Muslimen als Ungläubige. Milizen sind demnach die einzige Möglichkeit zur Selbstverteidigung. Damals kamen hunderte Menschen ums Leben, Beobachter gehen von einem Massaker an drusischen Zivilisten mit 80 Toten aus. Die islamistischen Angreifer wurden von der Regierung unterstützt. Ein weiterer Punkt: Die Drusen gelten den Islamisten als „fünfte Kolonne“ Israels, Spekulationen über einen von Israel protegierten Drusenstaat kursieren seit Jahren.
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