Bilder sollen die Realität abbilden. Aber sie tun noch mehr: Sie schaffen Realität. Auch durch ihre Kontextualisierung – oder das Fehlen derselben.
In unserer bildfixierten Medienwelt dienen sie daher als machtvolle Instrumente zur Meinungsbildung. Warum sah man während des US-Wahlkampfs kaum je ein vorteilhaftes Foto von Donald Trump, dafür aber so gut wie nie ein unvorteilhaftes von Kamala Harris? Warum sind in der deutschen Berichterstattung so selten Gruppen männlicher Migranten zu sehen? Was doch ins Auge fällt, sobald man deutsche Bahnhofsvorplätze oder gewisse Parks frequentiert: In der journalistischen bildmedialen Wirklichkeit kommen sie kaum vor.
Bilder prägen sich ein, und ihre subtilen – oder weniger subtilen – Botschaften gleich mit. Was nicht visuell vermittelt wird, wird hingegen oft nur unzureichend oder gar nicht wahrgenommen. Auch durch das Fehlen von Bildern wird also das kreiert, was dann als „Realität“ firmiert.
Angesichts der Informationsmassen, die vorliegen, ist die Steuerung der Meinungsbildung durch Auswahl und Auslassung unvermeidlich. Problematisch wird es jedoch, wenn zusätzlich bewusst verfälscht wird, um das gewünschte Narrativ zu platzieren. Im Deutschen bietet sich für journalistische Realitätskreation sogar ein eigenes Wort an: Relotiieren.
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