Stellen Sie sich vor, es gibt eine großartige Kunstausstellung, und die Mehrheit der Besucher ist nur noch genervt. Die Biennale von Venedig verkauft sich gern als Hochamt der Kunst. Doch im Jahr 2026 wirkt sie eher wie ein diplomatischer Basar mit ästhetischem Beiprogramm. Wer im Regen vor den Giardini ansteht, glaubt noch an Bilder. Drinnen jedoch wird über Macht verhandelt.
Oder anders gesagt: Die Kunst hängt – die Deutungshoheit steht Schlange.
Die Affäre um Russland hat die Fassade endgültig eingerissen. Wenn aus Brüssel das Signal kommt, eine Teilnahme könne sanktionsrechtliche Konsequenzen haben, dann ist das keine Geschmacksfrage mehr, sondern Staatsraison. Wenn eine Jury geschlossen zurücktritt, weil sie Länder mit international gesuchten Staatschefs nicht bewerten will, ist das kein Gewissensakt, sondern ein politischer Marker, geschniegelt als Moral.
Hinter den Kulissen geht es nicht um Ästhetik, sondern um Haftungsrisiken, um Druck und um das richtige Signal zur richtigen Zeit. Die Biennale behauptet Offenheit – und selektiert entlang geopolitischer Linien. Das ist kein Widerspruch, das ist Methode.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











