Wenn eine Theater-Inszenierung alle Seiten gegen sich aufbringt, kann sie so viel nicht falsch gemacht haben.
Ein Wochenende lang lud das Thalia-Theater in Hamburg zum „Prozess gegen Deutschland“. Unter Regie von Milo Rau wurde in einem fiktiven Prozess, aber mit echten Personen über ein Verbot der AfD und den Einfluss der sozialen Netzwerke verhandelt – inklusive einer Richterin (Ex-SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin), Anklage und Verteidigung und sieben Geschworenen, die am Ende entscheiden durften. Auch ich war als Zeugin geladen, die Auskunft über die Arbeit der neuen Medien geben sollte und von Anklage und Verteidigung jeweils zehn Minuten befragt wurde.
Unter anderem die sieben Geschworenen durften am Ende entscheiden.
Natürlich war der „Prozess gegen Deutschland“ kein ergebnisoffenes Projekt. Aus den Ankündigungstexten quoll die Voreingenommenheit nur so hervor: „Ist ein Verbot der AfD möglich, ja rechtlich geboten, weil sie ‚aggressiv kämpferisch‘ die Demokratie bedroht? Verstößt sie fortgesetzt gegen das Grundgesetz, indem sie mit allen Mitteln die Meinungsfreiheit ihrer Kritiker*innen bekämpft?“ Verhandelt werden sollte außerdem der „Missbrauch des Rechts durch die Welt des Techno-Faschismus, die MAGA-Propagandawalze des Silicon Valley und das mediale Ökosystem rechtsextremer Gehirnwäsche“.
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