Die erbitterte Rentendiskussion der letzten Wochen ist ein Vorbote der Verteilungskämpfe, die unser Land in Zukunft kennzeichnen werden. Zum ersten Mal gibt es in Deutschland einen Aufstand der Jungen gegen die Alten. Es ist eine Revolte der 33 Millionen Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung, die mit ihrer Arbeit jeden Monat das erwirtschaften, was Rentenkasse und Steuerstaat an die 22 Millionen Rentner auszahlen. Zum ersten Mal sagen die Jungen, auch im Namen der Ungeborenen, dass die 122,5 Milliarden an Steuerzuschüssen, die in diesem Jahr aus dem Bundeshaushalt an die Rentenkasse überwiesen werden, Gelder sind, die den nächsten Generationen für die Gestaltung ihrer Zukunft fehlen. Mittel, die zukünftig als Investitionen in Wirtschaft, Infrastruktur, Naturschutz und Bildung nicht zur Verfügung stehen.
Das, was die Junge Union der alten Union nur aus Höflichkeit nicht ins Gesicht gesagt, aber gemeint hat, lautet: Wegen der Unsummen von Steuermitteln, die heute in die Renten fließen, werden wir in Zukunft weniger haben als ihr – obwohl wir alles bezahlen. Die Junge Union hat wie keine andere politische Gruppe erkannt und auch noch laut gesagt, dass das deutsche Rentensystem in Zukunft unfinanzierbar ist. Ihr ist aufgefallen, dass der Plan der Regierung, das Rentenniveau, also das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen, bis 2040 bei 48 Prozent festzuschreiben, absurd ist.
Johannes Winkel, Chef der Jungen Union: „Das Gesetz ist in dieser Form nicht zustimmungsfähig. Dabei bleibt es.“
Wenn bereits heute der Bundeszuschuss an die Rentenversicherung 25 Prozent des Bundeshaushalts und mehr als 30 Prozent der Steuereinnahmen ausmacht, wo sollen dann diese Werte im Jahr 2040 liegen? Bei der Hälfte? Bei zwei Dritteln? Die von der Jungen Union vollkommen richtig gestellte, wenn auch so nicht formulierte Frage lautet also: Wenn wir irgendwann die Hälfte der Steuern dieses Landes nur für die Alimentierung der Rentner ausgeben, dann bleibt doch für diejenigen, die diese Steuern erwirtschaften müssen, kaum noch was übrig. Dann hat die nächste Generation doch keine auch nur halbwegs funktionstüchtigen Straßen, Brücken, Autobahnen, Züge, Schulen, Kindergärten, Universitäten, Kraftwerke, Flughäfen, Breitbandnetze sowie Wasser- und Abwassersysteme mehr. Dann ist Deutschland doch de facto ein Drittweltland aus rackernden Leibeigenen, die hauptsächlich damit beschäftigt sind, die Renten der vielen Alten zu erarbeiten, während ihnen selbst, wie einst den Bauern im Ancien Régime, kaum etwas zum Leben bleibt.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











