Derzeit überschlagen sich Politik und Medien mit Erfolgsmeldungen über den dramatischen Rückgang der Asylbewerberzahlen 2025. Und in der Tat klingen die Zahlen beeindruckend, zum Beispiel ein Rückgang von über 50 Prozent bei den Asylerstanträgen von 229.000 auf 113.000. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) findet daher Anlass zu Eigenlob: „Kontrolle, Kurs und klare Kante wirken. Wir ordnen mit Klarheit und Konsequenz das Migrationsgeschehen. Wer keinen Schutzanspruch hat, soll nicht kommen – wer Straftäter wird muss gehen.“
Nun ist diese Entwicklung zweifelsohne zu begrüßen, nur hat sie tatsächlich etwas mit der Asylpolitik der Bundesregierung zu tun? Oder doch eher mit externen Veränderungen wie dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien? So gab es 2023 noch 104.000 Asylerstanträge von Syrern, 2024 (in diesem Jahr wurde Assad gestürzt) noch 79.000 und 2025 lag die Zahl bei etwa 24.000, also rund 80.000 unter dem Wert von 2023. Mit verstärkten Grenzkontrollen und anderen ins Feld geführten Maßnahmen hat das wenig zu tun.
Zudem führt die isolierte Betrachtung der Asylanträge in die Irre, denn es gibt noch einen weiteren Faktor, der die Zuwandererzahlen und damit die Belastung der Sozialsysteme signifikant in die Höhe treibt: den Familiennachzug. Und an dessen Größenordnung hat sich fast nichts geändert. 2025 wurden dafür immerhin 110.000 Visa ausgestellt, das liegt nur wenig unter der Zahl von 2024 (120.000).
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