Ohne es zu beabsichtigen, polarisierte die Ampel die Bundesrepublik auf wohltuende Weise: in woke und normal geblieben. Darum bin ich der FDP gegenüber milder gestimmt als ihre Kritiker, obwohl ich ihnen inhaltlich zustimmen würde. Ein persönlicher Rückblick auf die Erlösung von Merkels Herrschaft der Finsternis, die schlimmer war als knall-linker Ampel-Irrsinn.
Freie Menschen durchschauen, verwerfen und verlachen, was unter der Ampel an Gesetzen erlassen wurde: Niemals hätte die FDP dem „Selbstbestimmungsgesetz“, einem Projekt einer linken Männerrechtsbewegung, zum Erfolg verhelfen dürfen, die sich Einlass in Mädchen- und Frauenräume verschaffte. Ebenso wenig sollte eine liberale Partei großzügigen Sozialstaat und offene Grenzen miteinander kombinieren, weil das zu einem durch nichts zu rechtfertigenden Umverteilungsmechanismus führt: Die Hälfte der Empfänger von „Bürgergeld“ sind inzwischen nicht einmal mehr Bürger, sondern haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Noch weniger darf eine Partei, die libertas im Namen trägt, eine unnütze FFP2-Maskierung zur Alltagspflicht machen, die mit Freiheitsrechten ausgestattete Bürger zu Untertanen eines gesundheitspolitisch verwirrten Ameisenstaats erniedrigte.
Vergleichsweise milde bin ich der FDP gegenüber nur aus einem Grund gestimmt, der mit der Partei und ihren Inhalten nichts zu tun hat. Ich weiß, dass es ein bisschen merkwürdig klingt, aber ich möchte es trotzdem sagen: Die FDP opferte sich mit der Ermöglichung der Ampel, um einem höheren Zweck zu dienen, der der Partei selbst nicht bewusst war. Ihr Pakt mit der Agenda linker und grüner Parteien öffnete einen Ausweg aus den bleiernen Jahren der großen Koalition, die von einem totalitären Diskussionsklima begleitet wurde.
Das Grundmuster dieses autoritären Diskurses war: die ganz große Mitte gegen eine Minderheit gemeinschaftsschädlicher Abweichler, dessen Widerspruch erfolgreich abgewertet und unterdrückt wurde. Diese stickige Konstellation hat die Ampel aufgebrochen. Anders als zu GroKo-Zeiten sagen die Menschen deutlich häufiger furchtlos ihre Meinung – wie Unternehmer Michael Muc, den die Bundesregierung wegen eines lustigen Plakats sogar angezeigt hatte. Ein Gericht sprach ihn frei.
Michael Much (52) lässt sich nicht einschüchtern. Vor Kurzem hängte er ein zweites Plakat auf.
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