1517 hatten viele Menschen Angst; Angst vor dem Gericht Gottes. Dem liegt ein Wissen um die menschliche Fehlerhaftigkeit zugrunde und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, damit der KZ-Kommandant nicht ungeschoren davonkommt, selbst wenn er mit 97 Jahren gesund und munter im chilenischen Exil friedlich von dannen geht. Gerechtigkeit braucht ein göttliches Endgericht.
Die Kirche war Teil und Motor und Profiteur dieses endgerichtlichen Angstsystems. Mit nahezu unerfüllbaren (Sexual-) Moralforderungen wurde das Gefühl der Schlechtigkeit gesteigert; und mit dem kirchlichen Sonderangebot des Ablasses konnten die Strafen weggekauft und damit die menschlichen Ängste vor dem Gericht Gottes abgemildert werden. Ein einträgliches Geschäftsmodell mit großen „Gewinnsteigerungen“, betonte Martin Luther am 31. Oktober 1517 in These 67. Nutznießer waren die katholische Kirche und der Papst, „dessen Reichtümer heute weit gewaltiger sind als die der mächtigsten Reichen“ (These 86).
Es gibt Profiteure der Angst. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese Ängste begründet sind oder lediglich durch Hysterie oder Manipulation erzeugt wurden.
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