Ab sofort wird der „Internationale Aktions- und Gedenktag im Kampf gegen Islamfeindlichkeit“ begangen. Rassist ist schon, wer Angst hat, wer bei Bedrohung und Tat nicht lächelt oder wer sich über Lärm und Gestank in der S-Bahn beschwert. Viel zu tun also.
Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, eine schöne deutsche Stadt namens Berlin. Der Staub des Krieges lag noch in den Ritzen der Straßen, und doch sprossen bereits kleine Hoffnungen wie rote Mohnblumen zwischen den Trümmern. In den verqualmten Hinterzimmern der Kneipen saß man bei Korn und Kartoffelsalat beisammen und stritt, halb ernst, halb heiter, über Kunst, Politik und den Sinn des Lebens. Es war eine Zeit des Aufbruchs und des Neubeginns. Freiheit lag in der Luft, verheißungsvoll wie der Duft warmen Asphalts nach einem Sommerregen. Und selbst das Grau der Fassaden hatte etwas Lebendiges, als könne die Stadt endlich wieder atmen.
Als das Wirtschaftswunder in voller Pracht blühte und im Jahr 1961 die ersten türkischen Gastarbeiter eintrafen, begegnete man ihnen mit gemischten Gefühlen. Oft mit Skepsis, vielerorts jedoch mit stiller, vorsichtiger Neugier. Sie waren Pioniere eines neuen Kapitels – Menschen, die mit Hoffnung im Gepäck und der Sonne Anatoliens im Herzen in ein fremdes Land aufbrachen.
Zwischen Fabrikhallen, Hinterhöfen und engen Treppenhäusern, fern der Heimat, entstanden nach und nach oft zwischenmenschliche Verbindungen, gewoben aus dampfendem Tee und unbekannten Speisen und geknüpft aus jener schlichten Herzlichkeit, die Brücken baut. Schlimm, sehr schlimm, wie sich seither alles entwickelt hat, nicht wahr? Höchste Zeit, endlich ein Zeichen zu setzen!
Nun also soll zukünftig und ab sofort der 15. März eines jeden Jahres als offizieller „Internationaler Aktions- und Gedenktag im Kampf gegen Islamfeindlichkeit“ begangen werden, um, so verkündeten die Initiatoren, ein weltweites Signal auszusenden, „verbunden im Kampf gegen Diskriminierung, Gewalt, Hass und Hetze“. Die etwas sperrigen und teils uneinheitlich verwendeten Begrifflichkeiten für diesen offensichtlich dringend einzuführenden Feiertag mögen damit zu tun haben, dass bereits seit 2015 ein „Tag gegen antimuslimischen Rassismus“ existiert, gefördert unter anderem vom Bundesfamilienministerium. Aber doppelt hält bekanntlich besser und schließlich gibt es nichts Bedeutsameres zu tun in unserer weltoffenen und bunten Metropole, als derartige Herzensprojekte zu verwirklichen.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











