Der digitale Euro zählt zu den ambitioniertesten Projekten der politischen Architektur der Europäischen Union. Da Eurosystem und EU zunehmend identische und integrierte politische Räume bilden, kann nicht länger bestritten werden, dass es sich bei diesem Projekt eines CBDC in erster Linie um einen machtpolitischen Schachzug Brüssels handelt. Allerdings hängt der Euro-CBDC, was übersetzt so viel bedeutet wie „digitales Zentralbankgeld“, kopfüber, in einer regelrechten Schleife fest. Ursprünglich bereits vor Jahren als Projektphase geplant, soll nun Ende 2029 der Startschuss für die ersten digitalen Wallets fallen. Darauf wies Bundesbankpräsident Joachim Nagel im Interview mit dem Handelsblatt hin.
Nagel erwies sich im Gespräch mit der Redaktion als artikulierter Befürworter eines Euro-CBDC, ungeachtet der Tatsache, dass dessen Einführung zu einem massiven Machtgewinn in den Händen der EZB als Emittentin und Verwalterin digitaler Wallets führen muss. Dieser geht einher mit einem korrespondierenden Rückbau zentraler Geschäftsfelder im Bereich der Geschäftsbanken. Nagel sieht wenig Gefahr größerer Kapitalabflüsse von den Konten von Sparkassen, Deutscher Bank & Co., da die geplanten digitalen Wallets auf eine Bestandshöhe von maximal 3.000 Euro limitiert sein sollen. Mit diesem Hinweis versucht Nagel, die unbestreitbare Gefahr einer künftigen Expansion dieser Technologie kleiner zu reden, als sie tatsächlich ist.
Leider klärt das Interview nicht über den substanziellen Unterschied zwischen dem CBDC, wie er für den Euroraum geplant ist, und den bereits bestehenden, größtenteils US-Dollar denominierten Stablecoins auf. Es macht nämlich einen fundamentalen Unterschied, ob der Emittent eines programmierbaren digitalen Geldes eine zentrale staatliche Gewalt ist oder ob zahlreiche miteinander konkurrierende private Anbieter eine solche Dienstleistung offerieren.
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