Der Fall Fernandes als Vehikel für nächsten Angriff auf Anonymität im Netz

vor 3 Monaten

Der Fall Fernandes als Vehikel für nächsten Angriff auf Anonymität im Netz
Bildquelle: Tichys Einblick

Noch ist in der Sache Fernandes gegen Ulmen nichts rechtskräftig geklärt. Noch stehen schwere Vorwürfe im Raum, die öffentlich maximal aufgeladen, moralisch sofort sortiert und politisch bereits verwertet werden. Und genau das ist der Punkt. Nicht die Frage, ob digitale Übergriffe existieren. Die existieren. Nicht die Frage, ob Deepfakes und Fake-Profile zerstörerisch sein können. Das können sie. Der Skandal liegt woanders: Aus einem hochkomplexen, persönlich aufgeladenen, juristisch ungeklärten Fall wird in atemberaubender Geschwindigkeit eine nationale Erregungsmaschine gebaut, an die sogleich Gesetzespakete, NGO-Agenda und mediale Kampagnen angeflanscht werden.

Das Muster ist unerquicklich vertraut. Zuerst kommt die maximal emotionalisierte Einzelfallgeschichte. Dann folgen Sondersendungen, Talkshow-Moral und Experten mit fertiger Deutung. Danach marschieren Aktivistinnen, Politikerinnen, Prominente und Verbände im Gleichschritt auf. Und am Ende liegt plötzlich ein ganzes Bündel politischer Forderungen auf dem Tisch, das weit über den konkreten Fall hinausgeht. Genau das geschieht hier. Binnen kürzester Zeit gab es breite Medienpräsenz, eine Berliner Demonstration am Brandenburger Tor und einen 10-Punkte-Plan prominenter Unterstützerinnen für schärfere Gesetze.

Auffällig ist auch die Rolle von HateAid. Die Organisation tritt in Berichten und Einordnungen früh und prominent auf, ihre Vertreterinnen werden als Deuterinnen und Begleiterinnen des Falls präsentiert. Tagesspiegel, Deutschlandfunk, Stern und andere Medien zogen HateAid unmittelbar als Autorität heran. Zugleich ist dokumentiert, dass Fernandes mit HateAid schon seit Jahren öffentlich gegen digitale Gewalt arbeitet. Das heißt: Hier spricht nicht bloß spontan eine zufällige Fachstelle zu einem plötzlich bekannt gewordenen Fall. Hier existierte bereits ein Netzwerk aus Aktivismus, medialer Erzählung und politischer Forderungslage. Dazu passt, dass Bundesfamilienministerin Prien gerade angekündigt hatte, im Rahmen einer Neusortierung bei „Demokratie Leben“ 200 NGOs und Initiativen, darunter auch HateAid, die Förderung künftig streichen zu wollen. Mit dieser umfassenden PR könnte der Druck auf Prien erhöht werden, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel