Bei den Grünen duzt man sich. „Komm in mein Team und bring dich ein“, ruft Habeck jedem Besucher der Grünen-Webseite entgegen. „Team Robert“ steht auf den Merchandise-Produkten im neu bestückten Habeck-Fanshop. Die Grünen wollen ihre Wähler offenbar in Krisenzeiten wie diesen mit quasi-familiärer Nähe zum Kanzlerkandidaten bezirzen. Ganz nach dem Motto: In Zeiten gesellschaftlicher Spaltung halten wir bei den Grünen zusammen. „Zusammen“ steht auch auf dem Wahlplakat der Grünen, von dem Annalena Baerbock, Spitzenfrau hinter Robert Habeck, betont lächelnd herabblickt.
Der Wahlkampf wird in einem Stil geführt, der Assoziationen hervorruft, die irgendwo zwischen der Kinderserie Bob der Baumeister („Jo, wir schaffen das“) und kitschigen amerikanischen Dramakomödien liegen, bei denen sich nach einem belanglosen Konflikt schließlich alle Familienmitglieder, alternativ Verliebte und Freundesgruppen, in den Armen liegen und schwören, sich den Herausforderungen des Lebens fortan nur noch gemeinsam, zusammen, im Team zu stellen – Hand in Hand bis zum Ende aller Tage.
Doch dieses Lillifee-Wohlfühl-Image der Grünen ist in den vergangenen Tagen nicht nur gebröckelt – es wurde gesprengt. Die Gelbhaar-Affäre offenbart die hässliche Fratze des Grünen Parteiklüngels. Auch die verstrahltesten Grünen-Fans können nun sehen: Hinter den Feelgood-Wordings, Dutzorgien und Zusammenhaltsbeteuerungen steht offenbar knallharte Machtpolitik – und eine menschliche Kälte, die selbst dezidierte Grünenkritiker noch überrascht haben dürfte.
Die Abfolge der Ereignisse liest sich wie ein Politkrimi. Im Dezember des letzten Jahres veröffentlicht der RBB als erstes Medium eine Story, in der dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar sexuelle Belästigung gegenüber verschiedenen Frauen vorgeworfen wird. Der öffentlich-rechtliche Sender stützte seine Aussagen auf anonyme E-Mails von vermeintlich betroffenen Frauen sowie auf eine eidesstattliche Erklärung einer Frau namens Anna K.
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