Während meiner letzten Tage im ZDF kommen noch einmal alle Motive der Groteske zusammen, die meine »Karriere« gewesen sein soll. Mich erreicht eine besorgte Mail des Hauptredaktionsleiters. Kein Wort zu meinem Pazifik-Film, der gerade gelaufen ist. Stattdessen: »Sie kündigen ein recht umfangreiches Buch über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit dem Titel ›Die Gefallsüchtigen‹ (2015) an, was nicht gerade schmeichelhaft klingt. Darf ich fragen, wie Ihr Arbeitgeber, der ja einen beträchtlichen Teil dieses Rundfunks ausmacht, dabei abschneidet? Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich mir Sorgen mache, der Programmdirektor und der Intendant auch.« Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die das Buch persönlich nähmen. »Da kämen wir uns ja komisch vor, zusammen zu sitzen und zugleich vorgeführt zu werden.«
In der Sache, ergänzt der Vorgesetzte, stimme er ja weitgehend zu, allerdings dürften kritische Gedanken der Anstaltsleitung nur intern mitgeteilt werden. Das hat nur jahrelang nichts genützt. Zur Strafe werde ich nicht mit Anstand verabschiedet. (…)
Einige Tage nach meinem Ausscheiden wird der 50. Geburtstag des Kulturmagazins »aspekte« gefeiert, das kein anderer länger geleitet hat. Der Intendant würdigt mich keines Blickes. Manche Kollegen haben mein Buch gelesen und stimmen mit der Hand vor dem Mund zu, andere belächeln die Sinnlosigkeit meiner Einmischung.
Der Vorwurf, ich hätte die Streitschrift »gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik« früher veröffentlichen müssen, nicht erst, wenn ich in der Hängematte der Rente liege, ist scheinheilig. Wer hätte mir die genehmigungspflichtige »Nebentätigkeit« denn erlaubt? Das Buch erscheint eher zu früh.
Erst Jahre später wird die Debatte in Schwung kommen, als obszöne Gehälter und Ruhebezüge in den Chefetagen das Fass überlaufen lassen. Auch dann wird nur über das Geld geredet statt über das Programm. Mein Buch ist kein Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ich möchte nur die Debatte über notwendige Reformen befeuern, die ARD und ZDF verweigern. Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender nicht zur Besinnung kommen, werden andere über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Parteien spüren, wie populär das Thema ist.
Es wäre falsch, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Ohne tiefgreifende Reformen werden die Öffentlich-Rechtlichen ihre Existenzberechtigung jedoch verlieren. Wer die Legitimationskrise der Gebührensender thematisiert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Beifall von der »falschen Seite« zu provozieren. Er wird in einen Topf geworfen mit Klimaleugnern, EU-Gegnern und Ausländerfeinden. (…)
Die Gefallsucht der Anstalten erzeugt Konformismus. Früher einmal strebten die Programme nach Ausgewogenheit, heute nur noch nach Monotonie. Rechte und linke Magazine »roter« und »schwarzer« Sender unterschieden sich einst, bildeten ein debattenfreudiges Meinungsspektrum. Vom Norddeutschen bis zum Bayerischen Rundfunk verbreiten heute alle dieselbe politisch korrekte, überwiegend rot-grüne Weltsicht. Die meisten Kollegen, die damit sympathisieren, sind nicht überzeugt, sondern nur angepasst. Intendanten, die auf schwarzem Ticket ins Amt aufgestiegen sind, folgen in der Ära Merkel dem Linksruck von Staat und Gesellschaft.
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