Tichys Einblick: Zu Johannes Hartl scheint jeder eine Meinung zu haben: Manchen strengen Katholiken sind Sie zu ökumenisch, linke liberale Katholiken nennen Sie einen gefährlichen „Religionspopulisten“ und rücken Sie in Sektennähe. Viele junge Leute wiederum strömen in Ihr Gebetshaus und zu Ihren Veranstaltungen – davon auch viele, die keiner Kirche angehören. Wie würden Sie sich selbst definieren? Und: wie lebt es sich als Reizfigur?
Johannes Hartl: Ich finde das, was Leute über mich denken, grundsätzlich nicht so interessant. Ich bin ein ganz normaler Katholik und leite ein ökumenisches Werk, das bedeutet: ein Gebetshaus, zu dem Menschen unterschiedlicher Konfessionen kommen.
Was für Leute kommen zu Ihnen?
Katholiken und Freikirchler etwa in gleichen Zahlen, Protestanten ein bisschen weniger. Das Verhältnis ist etwa 30 Prozent Katholiken, 30 Prozent Freikirchler, 20 Prozent Protestanten und etwa 20 Prozent – Tendenz steigend –, die gar keinen religiösen Hintergrund mitbringen.
Kommen auch Muslime?
Wir sind ein eindeutig christliches Haus. Aber es gibt ja viele Muslime, die sich sehr für das Christentum interessieren, besonders solche aus dem Iran. Der Iran erlebt gerade eine Massenhinwendung zum Christentum.
Wenn sich jemand bisher gar nicht mit Kirche und vielleicht noch nicht einmal mit Religion beschäftigt hat – wie wird er dann überhaupt auf Ihr Gebetshaus aufmerksam?
In der Regel zunächst erst einmal über soziale Medien, über Youtube und Instagram. Dann kommen sie auch mal auf Veranstaltungen.
Ihre Reichweite auf diesen Plattformen ist beeindruckend.
Mein Youtube-Kanal hat 117000 Abonnenten und eine Gesamtreichweite von 17 Millionen, auf Instagram sind es etwa sechs Millionen. Der Kanal des Gebetshauses hat 91000 Abonnenten. Er überträgt das Geschehen im Gebetshaus live und rund um die Uhr.
Mit den Kanälen in den sozialen Medien erreichen Sie offenbar viele Jüngere. Und auch wenn man sich im Gebetshaus umsieht, scheint das Durchschnittsalter sehr viel niedriger zu liegen als in den meisten Gottesdiensten der Kirchen. Was macht Ihr Angebot so interessant für Jüngere?
Eine spirituelle Erfahrung brachte Sie vor etlichen Jahren zum Glauben. Was geschah damals?
Als Teenager hatte ich gegenüber Glauben und Religion keine Erwartungen. Ich wurde im Alter von 14 Jahren mitgenommen auf eine Jugendkonferenz, bei der ich eine Erfahrung mit tiefer Wirkung machte. Dort gab es die Möglichkeit, für sich beten zu lassen, also ein persönliches Gebet. Und ich kann nur sagen, dass nach diesem Gebet alles anders war. Es war ein Fürbittegebet, eine persönliche Segnung, die einer der Mitarbeiter dort vornahm. Am Ende dieser Konferenz konnte man für sich beten lassen, und es war äußerlich unspektakulär. Das Ganze ging vielleicht eine Minute, er hatte die Hand auf meine Schulter gelegt und für mich gebetet. Als ich weggegangen bin, war in meinem Inneren etwas anders.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











