Geht es darum, das klaffende Demokratiedefizit der Europäischen Union und ihres geldpolitischen Arms, der Europäischen Zentralbank (EZB) zu übermalen, greift die zuständige PR-Abteilung regelmäßig zu klassisch-volkstümlichen Mitteln. Bürgerbeteiligung soll ersetzen, was der Bürger weder per Wahl noch durch demokratische Kontrolle haben darf. Allerdings lässt sich der Begriff der „Bürgerbeteiligung“ unterschiedlich auslegen, weshalb sich niemand darüber wundern sollte, dass es im Falle der EZB buchstäblich beim Kratzen an der Oberfläche bleibt.
Ein Designwettbewerb, an dessen Ende die grafische Gestaltung der neuen Generation von Euro-Geldscheinen stehen soll, war vor fast vier Jahren das Mittel der Wahl im Frankfurter EZB-Tower. Ende 2021 ging das Portal der EZB online, auf dem bis zum Sommer 2023 nach Angaben der EZB etwa 365.000 Bürger der Eurozone unter verschiedenen Design-Themen zwei auswählen durften. Am Ende verblieben zum einen die Rubrik „Europäische Kultur“ und zum anderen das Thema „Flüsse und Vögel“. Dieses, so informiert uns der Begleittext auf der Homepage, soll die Widerstandsfähigkeit und Diversität (Sie müssen sich selbst herleiten, in welchem Kontext dieses Wort zu lesen ist) europäischer Ökosysteme repräsentieren. Den konkreten Bezug von Vögeln und Flüssen zum Zahlungsmittel der Eurozone konnte auch der eloquente Aufsatz der EZB-Pressestelle nicht schlüssig darlegen.
Eine dankbare Arbeit wartet dennoch auf die nun berufenen Künstler, die sich bis zum 18. August mit kreativen Inspirationen in Frankfurt bewerben durften. Zu Vogel-umschwärmten Gewässern fiele einem ja durchaus etwas ein. Aber der Bereich des europäischen Kulturlebens, sollte es die postmoderne Gegenwart abbilden, dürfte dazu beitragen, das Ende des Bargelds schon aus ästhetischen Gründen zu beschleunigen. Wer will schon beim Kramen in seinem Portemonnaie jedes Mal zusammenzucken, wenn er der „entkörperten Identitäten, einer postkolonialen Farbfläche oder der Beuysschen Fettecke“ auf der Zwanzig-Euro-Note gewahr wird.
WM 2026 in USA: Fifa-Skandal! Trump ruft Infantino an! Sperre für US-Spieler aufgehoben I WELT LIVE











