Einbruch in der Chemie ist böses Omen

vor 7 Monaten

Einbruch in der Chemie ist böses Omen
Bildquelle: Tichys Einblick

Manch einer von Ihnen wird sich vermutlich noch an das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 erinnern. Fünf Jahre lang hielt der unentwegte Börsenboom im neuen Tech-Segment seinerzeit an. Die Nasdaq eilte von Allzeithoch zu Allzeithoch, ein Rekord jagte den nächsten. In der Euphorie waren den Marktteilnehmern, Investoren wie Privatanlegern die Sinne vernebelt. Niemand konnte ahnen, wann genau die Musik zu spielen aufhören würde.

Hätte man sein Investorenverhalten eng an der Entwicklung der deutschen Chemiewirtschaft ausgerichtet, wäre man der unvermeidlichen Portfolio-Katastrophe wohl entkommen. Bereits zur Jahresmitte 2000 brach in der deutschen Chemiewirtschaft die Produktion um sechs Prozent ein. Ein böses Omen für die Realwirtschaft, denn die Chemie ist eine frühe Reflexion der Entwicklung in der Kernindustrie – im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, in der Bauwirtschaft und ganz allgemein in der Konsumgüterproduktion.

Ihre tiefe Verflechtung in die fundamentalen Wertschöpfungsketten im Innenraum der Ökonomie macht die Chemie zu einer Glaskugel mit prognostischer Schärfe.

Und tatsächlich: Im Folgejahr glitt die deutsche Wirtschaft in die Rezession ab. Auch in den USA ging es bergab, was sich unmittelbar im Exportgeschäft der deutschen Chemieindustrie niederschlug. Die Krise der Ökonomie ließ schließlich die Börsenträume platzen. Ein Nadelstich – und alles war vorbei. Der Stich traf das Herz von Millionen Kleinanlegern, die ihre Premiere an der Börse mit teurem Lehrgeld bezahlten.

Börsen sind nicht nur vom Sentiment getrieben, sondern folgen in ihren Amplituden dem Trend von Produktivität und Geldmengenwachstum. Vor allem kurzfristig sind sie Ausdruck der Liquidität an den Märkten und reflektieren damit den Kreditzyklus.

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