Von der Krise zur Depression – keine Energiewende in Sicht

vor 3 Monaten

Von der Krise zur Depression – keine Energiewende in Sicht
Bildquelle: Tichys Einblick

Der andauernde Konflikt um den Iran, sei es als heißer Krieg oder künftig nur noch als kalter, wird uns einen längerfristigen Abschwung der Wirtschaft und Gesellschaft bescheren, der gegenwärtig noch nicht überblickt werden kann. Wenn hin und wieder an die Ölkrise von 1973 erinnert wird: Diese war, verglichen mit dem, was kommen wird, nur ein laues Lüftchen und schnell vorbei. Dass die Straße von Hormus schon bald problemlos (und kostenlos) zu befahren sein wird, ist zweifelhaft, die Folgen werden lange nachwirken.

Einige Länder wie Japan reaktivieren ihre Kohlekraftwerke, um Gas zu sparen, eine für Deutschland undenkbare Variante. Wir wollen im Gegensatz dazu neue Gaskraftwerke bauen und damit Kohlekraftwerke ersetzen. Allein der Gedanke an einen Betrieb der Kohlekraftwerke über 2038 hinaus gleicht klimapolitischer Gotteslästerung, geschweige denn, alte Kraftwerke dauerhaft zu reaktivieren.

Der darauf folgende rotgrüne Proteststurm würde den Kanzler umblasen. Seine Bemerkung auf einer FAZ-Veranstaltung, man müsse möglicherweise Kohlekraftwerke länger am Netz lassen, war eine der üblichen und wohl einmaligen Formulierungen für die Galerie, die folgenlos bleiben werden. Es braucht zudem keinen Proteststurm. Es reicht, wenn Vizekanzler Klingbeil die Augenbrauen hochzieht, um den Kanzler vom weiteren Verfolgen dieses Gedankens abzuhalten.

Ein mittelfristiges Problem gärt im Schatten der medialen Aufmerksamkeit vor sich hin. Die bis auf 20 Prozent entleerten Erdgasspeicher müssen bis zum 1. November wieder auf 80 Prozent gefüllt werden, es bleiben also nur sechs Monate. In den vergangenen vier Wochen gab es einen Zuwachs von drei Prozent. Da der Gaspreis über den Sommer nicht sinken, sondern vermutlich sogar steigen wird, ergibt sich für die Speicherbetreiber kein Marktsignal zum Einspeichern.

Der Staat wird helfen müssen, wie genau, ist unbekannt. Es gibt keinen Haushaltstitel für eine staatliche Gasreserve. Auch hier geht es um Milliarden Euro. Da die Regierung nach dem Atom- auch den Kohleausstieg ungeachtet der Realitäten durchziehen will, ist das Erdgas der einzige Energierohstoff, der (noch) eingesetzt werden darf.

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