Die Europol-Direktorin Catherine De Bolle warnt im Interview mit Welt vor kriminellen Schleuserbanden und vor der Rekrutierung von Jugendlichen für Verbrechen. „Die Instrumentalisierung von Schleusernetzwerken ist ein reales Problem. Die dahinterstehenden Netzwerke erzielen enorme Gewinne. Das System ist industrialisiert worden, und diese Gruppen agieren zunehmend gewalttätig und flexibel.“ Es würden gezielt Schwachstellen im Asylrecht ausgenutzt werden.
Es gebe eine wirtschaftliche und eine politische Destabilisierung. Wirtschaftlich könne die Schwächung durch Korruption und Geldwäsche erfolgen. Auf politischer Ebene komme es zu Destabilisierung, wenn kriminelle Gruppen mit staatlichen Akteuren zusammenarbeiten. So würden Cyberkriminelle tagsüber für Staaten zum Beispiel Spionage betreiben und nachts die digitalen Infrastrukturen für eigene Straftaten nutzen.
„Einige Experten für Finanz- und Wirtschaftskriminalität sagen, dass Online-Betrug bereits mehr Einnahmen für kriminelle Organisationen generiert als der Drogenhandel“, sagt De Bolle. Denn er sei günstiger und weniger riskant. So sei es angesichts von Deepfakes auch für Experten zunehmend schwieriger zu unterscheiden, ob ein Anruf oder ein Foto echt sei oder nicht.
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