Riskiert Brüssel die wirtschaftliche Sicherheit von 450 Millionen EU-Bürgern für eine Insel aus Eis und Schnee? Es sieht danach aus: Als Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen will EU-Ratspräsident António Costa kurzfristig einen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs einberufen. Nach Angaben aus EU-Kreisen könnte das Treffen bereits am kommenden Donnerstag stattfinden. Fest steht bislang, dass die Beratungen noch in dieser Woche in physischer Form abgehalten werden sollen. Ziel ist es, eine gemeinsame europäische Linie gegenüber Washington festzulegen, diplomatische Einigungen dürften dabei nicht im Vordergrund stehen.
Costa machte deutlich, seine Gespräche mit den Mitgliedstaaten hätten ein klares Stimmungsbild ergeben: Neue Zölle würden die transatlantischen Beziehungen nachhaltig beschädigen und stünden im Widerspruch zu bestehenden Handelsvereinbarungen zwischen der EU und den USA. Gleichzeitig betonte er, die EU sei nicht bereit, wirtschaftlichen oder politischen Druck widerspruchslos hinzunehmen. Man werde sich gegen jede Form von Zwang verteidigen, wolle jedoch weiterhin eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufrechterhalten.
Besonders sensibel ist die Lage, weil der Streit nicht nur handelspolitische, sondern auch sicherheitspolitische Dimensionen hat. In Brüssel wird darauf verwiesen, dass Europa und die USA ein gemeinsames Interesse an Stabilität und Sicherheit in der Arktis hätten, insbesondere im Rahmen der Zusammenarbeit innerhalb der NATO. Gernau deshalb stoßen die jüngsten Drohungen aus Washington auf scharfe Kritik.
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