Gnadenlos frei. Fernando Pessoa: Ein anarchistischer Bankier

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Gnadenlos frei. Fernando Pessoa: Ein anarchistischer Bankier
Bildquelle: Tichys Einblick

Wie kann ein steinreicher Halunke, ein „großer Händler und Schieber“ zugleich Anarchist sein – ein Feind der herrschenden Verhältnisse, von denen er doch prächtig lebt? Erst Kopfschütteln – dann schallendes Gelächter. Und am Ende ein großes Aha. Pessoas Erzählung ist ein erhellendes Lesevergnügen. Ein schmales Werk, das sich freilich nicht einfach verschlingen lässt, sondern das Satz für Satz auf der Zunge zergehen muss. Literarische Dreisterneküche, die, obwohl gut 100 Jahre alt, nicht aus der Gefriertruhe kommt.

Wer sich – wie im medialen Dschungel beinahe unvermeidlich – nicht unter seinem Niveau unterhalten möchte, ist hier goldrichtig. Die Schrift aus der Feder des größten portugiesischen, Kafka ebenbürtigen Meisters moderner Literatur, verlangt genaues Lesen, ist gerade deshalb intellektuell aufregend. Folgt sie doch strenger Logik – und demonstriert nebenbei, wie brillant philosophische Logik ad absurdum geführt werden kann. Es ist ein Text für Selbstdenker wie Pessoa einer gewesen ist – und somit ein wahres Werk der Aufklärung. Da gebraucht einer seinen Verstand ohne Anleitung irgendwelcher Ideologien. Pessoa pfeift auf den moralischen Mainstream.

Mehr noch: er attackiert ihn auf unnachahmliche Weise. Das macht seine satirische Beweisführung zu einer atemberaubend komischen Gesellschaftsverhöhnung. Diese Erzählung ist eine der wenigen Texte, die bereits zu Pessoas Lebzeiten veröffentlich worden waren, die er noch ausbauen wollte, und die auch gelegentlich an Theatern dramatisiert wurde. Im Hause des Bankiers wundert sich ein Gast (zweifellos im Namen der Leser), wie der sich für einen Anarchisten halten könne. Anarchie, behauptet der, sei sogar der Schlüssel zu seinem Reichtum.

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