Mit der Sitzungsperiode des britischen Oberhauses endete am 29. April ein Stück britische Geschichte: Künftig wird es im House of Lords keine Parlamentarier mit erblichen Sitzen mehr geben.
Bereits mit dem House of Lords Act von 1999 war die Anzahl dieser sogenannten Hereditary Peers auf 92 reduziert worden. Lediglich 25 dieser Sitze werden in Sitze auf Lebenszeit umgewandelt, die anderen Parlamentarier werden in der nächsten Sitzungsphase nicht mehr vertreten sein.
Kontinentaleuropäern mag diese Eigenheit, die sich in der langen parlamentarischen Tradition des Vereinigten Königreichs herausgebildet hat, absonderlich vorkommen. Konstitutionelle Monarchie hin oder her, warum sollte einem Menschen das Recht auf einen lebenslangen Parlamentssitz qua Geburt zukommen?
So werden viele in der Abschaffung der erblichen Parlamentssitze lediglich eine Verwirklichung von Normen sehen, die sich an Gleichheit und Gleichwertigkeit orientieren.
Doch die Mitglieder des Oberhauses werden ohnehin nicht gewählt. Die meisten von ihnen bestimmt letztlich der Premierminister.
Der Bruch mit dieser 700-jöhrigen Tradition ist also kein Ausdruck demokratischen Bewusstseins. Vielmehr handelt es sich im Gegenteil um Machtfestigung seitens der Regierung, die sich das Oberhaus unterwirft.
Allerdings wird hier nicht nur das politische System umgebaut und demontiert, auch kulturell handelt es sich um Selbstdemontage. Denn dem Adel kam eine durchaus bedeutsame Rolle zu: Als Hüter der historischen Identität.
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