100 Prozent der Grünen wollen die Wirtschaft umbauen – und zwei Drittel haben noch keine Sekunde in der freien Wirtschaft gearbeitet!

vor mehr als 1 Jahr

100 Prozent der Grünen wollen die Wirtschaft umbauen – und zwei Drittel haben noch keine Sekunde in der freien Wirtschaft gearbeitet!
Bildquelle: NiUS

Die Grünen lieben wenig mehr als von Vielfalt, der Integration gesellschaftlicher Randgruppen und dem Zerstören homogener Strukturen zu reden. Aber wie sieht es mit der Vielfalt bei den Grünen selbst aus? Ich habe mir 413 Lebensläufe von grünen Politikern angesehen. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

Ich hatte vor der Recherche für diese Kolumne ein Vorurteil bezüglich grüner Politiker. Ich glaubte, dass mindestens jeder Zweite von ihnen noch keine Sekunde in der freien Wirtschaftgearbeitet hat. Kreißsaal, Schule, Hörsaal, Parlament, vielleicht zwischendrin noch irgendein steuerzahlerfinanzierter Job. So stellte ich mir die idealtypische grüne Karriere vor.Aber ich wollte das Stereotyp beiseitelegen, schließlich habe ich von den Grünen gelernt, dass man eigene Vorurteile immer hinterfragen muss. Ich wollte diesem Rat der Moralelitefolgen, also beschloss ich, mir die Lebensläufe aller grünen Abgeordneten in den Landtagen, im Bundestag und im EU-Parlament anzuschauen.

Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Berlin: zahlreiche Lebensläufe ohne praktische BerufserfahrungIch wollte also herausfinden, wie viele von ihnen wie lange Berufserfahrung in der freien Wirtschaft vorweisen können. Was ist mit freier Wirtschaft gemeint? Arbeit fernab von Steuergeldfinanzierung und Staatskonstrukten. Handwerker, Landwirte, Unternehmer, Industriearbeiter, all die Menschen, die in freiwilliger Kooperation miteinander Wohlstand schaffen. Wer also in irgendwelchen politischen Stiftungen, in sogenannten Nichtregierungsorganisationen, in gemeinnützigen Vereinen oder beim Staat selbst gearbeitet hat, fällt raus. Auch Ausbildungszeiten, Werkstudentenjobs und Praktika zählen nicht mit rein. Ebenso Nebentätigkeiten im unbedeutenden Umfang.

Bevor ich die Zahlen präsentiere, muss ich vorwegschicken, dass eben jene Zahlen nicht ganz exakt sind, nicht ganz exakt sein können. Denn offensichtlich hat nicht nur Annalena Baerbock Probleme mit dem Verfassen eines vernünftigen Lebenslaufs. Ich habe nicht mitgezählt, aber etliche grüne Politiker sind schon damit überfordert, auf den Seiten der jeweiligen Parlamente ihr Geburtsdatum einzutragen. Oder konkrete Jahreszahlen bei der Berufserfahrung. Kein Scherz. Bei manchen Abgeordneten gab es sogar gar keinen Lebenslauf, bei einigen war die Dauer der beruflichen Erfahrung außerhalb der Politik nicht erfassbar und musste geschätzt werden. Bei diesem Schätzen habe ich immer versucht, großzügig zu sein.

Die Heinrich-Böll-Stiftung: ein Sammelnbecken für grüne Aufsteiger.

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